Wilhelmshaven - Stockdunkel ist es in den engen Räumen, die Luft voller Rauch. Obwohl das Feuer noch nicht zu sehen ist, spüren die Soldaten bereits die Hitze. Mit Atemschutzgerät, weiterer Schutzausrüstung und Löschschlauch ausgestattet gehen sie dann entschlossen gegen das Feuer vor. Ausbilder beobachten dabei jeden Schritt und Handgriff dank Wärmebildkameras auf ihren Monitoren. Für die anschließende Auswertung wird ein Video aufgezeichnet.

„Seit April bilden wir unsere Besatzungsmitglieder und Soldaten der Brandschutz-Unterstützungs-Gruppe an der Schiffsbrand-Simulationsanlage der Wilhelmshavener Berufsfeuerwehr aus“, sagt Fregattenkapitän Bernhard Veitl. Als Bevollmächtigter des Inspekteurs und Dezernatsleiter Einsatzausbildungszentren des Marinekommandos ist er für die Umsetzung der ortsnahen Ausbildung der Besatzungen zuständig. „Der Ursprungsgedanke der Einsatzübung am Standort kommt vom Mehrbesatzungskonzept der Fregatten F 125“, erläutert Veitl. „Wenn sie nicht zur See fahren, sollen die Besatzungen der Schiffe kurze Wege haben zu ihren Ausbildungsstätten – ob es nun eine Operationszentrale, die Rettungsübungshalle oder eben jetzt auch die Realbrand-Übungsanlage der Feuerwehr ist.“ Was am Standort Wilhelmshaven aufwächst, diene quasi als Blaupause für ein Einsatzausbildungszentrum auch an anderen Standorten.

Neben der Anlage an der Güterstraße stehen weitere Container mit Ausbildungsraum, Materiallager sowie Sanitärbereich. Beides wird nun auch regelmäßig von den Besatzungsmitgliedern genutzt, die im Ernstfall Atemschutzgeräte tragen müssen. „Das machen die Soldaten an Bord alle in Zweitfunktion“, betont Bernhard Veitl. „Die Möglichkeit der Realbrand-Bekämpfung für bis zu 600 Soldaten pro Jahr dient der Professionalisierung. Das ist hier wirklich optimal.“

Unabhängig von der weiten Anfahrt und dem größeren Zeitverlust: Dem Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine in Neustadt/Holstein fehle es schlicht an Kapazitäten für so eine Ausbildung.

Nach Zustimmung des Rates der Stadt hatten das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum und die Stadt Wilhelmshaven einen Vertrag über die Nutzung der Simulationsanlage geschlossen. „Wir stellen das Funktionspersonal und sind zuständig für die Sicherheitseinweisung vor Ort“, sagt Holger Erber, Abteilungsleiter Operative Gefahrenabwehr bei der Wilhelmshavener Berufsfeuerwehr. Er schätzt die gute Zusammenarbeit mit der Marine: „Durch diese Ausbildung können wir voneinander lernen und verstehen Besonderheiten der anderen Seite viel besser.“ Das bestätigt Fregattenkapitän Bernhard Veitl: „Das ist ein echter Vorteil, wenn wir im Ernstfall bei einem Brand die Unterstützung der Wilhelmshavener Feuerwehr benötigen sollten.“

Michael Halama
Michael Halama Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung