Wilhelmshaven - Nachdem am 1. Juli die kostenlosen Bürgertests weggefallen sind, werden Menschen, die sich auf das Corona-Virus testen lassen möchten, in den Zentren zur Kasse gebeten. Wer Symptome hat und abklären möchte, ob er positiv ist, muss dafür in eine Arztpraxis.
Das führt zum einen zu mehr Patienten in den Praxen, da nun auch Menschen kommen, die nur sehr leichte Symptome haben. Zum anderen führt es dazu, dass sich viele gar nicht mehr testen lassen und das Virus weiter verteilen. Der Vorsitzende der hiesigen Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung, Klaus-Peter Schaps, befürchtet, dass die Dunkelziffer der Infektionen steigen wird, weil die Menschen für den Test nicht extra zum Arzt wollen, aber auch nicht einsehen, dafür im Testcenter zu bezahlen.
Die neue Testverordnung ist für Schaps ohnehin ein Reinfall. „Für die Praxen bedeutet das ein deutliches Mehr an Bürokratie“, sagt er. Zudem habe es keinen Vorlauf gegeben, niemand konnte sich vorbereiten. „Ich verstehe nicht, warum solche Dinge auch nach zwei Jahren Pandemie noch über die Köpfe der handelnden Akteure hinweg entschieden werden.“
Schaps hat beobachtet, dass sich einige Menschen scheuen, in die Praxen zu kommen, weil sie niemanden anstecken möchten. „Die Sorge ist unbegründet“, sagt er. Das Wichtigste: vorher anrufen und den Verdacht äußern. Einfach vorbeikommen, wie es im Testcenter möglich ist, geht nicht. Es braucht einen Termin.
Liegt ein positives Ergebnis vor, muss es durch einen PCR-Test bestätigt werden. Das Problem: Es gibt in der Stadt nur noch wenige Stellen, an denen das möglich ist. „Seit dem 1. April bekommen die Ärzte den Test nicht mehr bezahlt.“ Er ist seitdem Bestandteil der diagnostischen Arbeit, kann nicht – wie in den Testcentern – einzeln abgerechnet werden. Schaps weiß von Kollegen, die den Test daher nicht mehr machen. „Es ist aber der einzige Weg, die Infektion sicher festzustellen und auch rechtlich wichtig“, betont er. Nur, wenn ein positiver PCR-Test vorliegt, kann das Gesundheitsamt eine Absonderung anordnen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
Da die Corona-Zahlen im Sommer nicht wie erhofft abgeflacht sind und die aktuelle Welle wohl nahtlos in eine Herbstwelle übergehen wird, rät Schaps vor allem vulnerablen und älteren Menschen, nicht auf den Impfstoff gegen die Omikron-Variante zu warten, sondern sich bereits jetzt zum vierten Mal impfen zu lassen.
