Wilhelmshaven - Die Peine GmbH hat beim Amtsgericht Wilhelmshaven einen Insolvenzantrag gestellt. Nach ohnehin schon wirtschaftlich schwierigen Jahren steht das Wilhelmshavener Traditionsunternehmen erneut am Scheideweg. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Michael Waculik (Jever), der bereits 2009 die Peine-Gruppe mit damals rund 150 Mitarbeitern – erfolgreich – durch eine Insolvenz geführt und damit saniert hat.
Die an der Rheinstraße beheimatete Peine GmbH beschäftigt aktuell rund 50 Mitarbeiter vor Ort und im Verkauf. Geschäftsführer war zuletzt Janhua Yu. Das Unternehmen vertreibt nach deutschen Qualitätsstandards in China produzierte Herren-Oberbekleidung der Marken „Masterhand“ und „Barutti“ an über 200 Shops und Modehäuser allein in Deutschland sowie weltweit mit Schwerpunkt Europa. Niederlassungen der Peine GmbH gibt es in Österreich, der Schweiz, in Frankreich und in Italien. Zum Unternehmen gehört auch der Barutti-Firmenverkauf in der Ebertstraße.
Die Wurzeln der Peine GmbH in Wilhelmshaven reichen bis ins Jahr 1888 zurück – bis zur Einweihung des Kaufhauses „Bartsch & von der Breile“. Nach der Trennung von Kaufhaus, Produktion und Textilienvertrieb ging die Peine Gruppe 2009 erstmals in Insolvenz.
Ein amerikanischer Investor übernahm das Unternehmen, verkaufte es 2013 aber weiter an den Privatinvestor Jan D. Leuze, der sich ein gutes Jahr später – nach dem Einstieg der chinesischen Shandong Ruyi Technology Group (einem Textilhersteller) – wieder zurückzog und danach Outlet-Pläne in Wilhelmshaven verfolgte.
Der Verlust des Unternehmens soll 2014 nach den Worten eines der spätern Geschäftsführer höher als der Umsatz gewesen sein. Ab 2015 habe sich die Lage nach und nach verbessert.
Die Produktion der Herrenoberbekleidung (Marken Masterhand und Barutti) erfolgt ausschließlich in China. Über Wilhelmshaven werden Hunderte Modegeschäfte in Deutschland und im Ausland beliefert – Geschäfte, von denen aber ein Großteil in der Corona-Krise geschlossen ist.
In einer Betriebsversammlung sagte Rechtsanwalt Waculik der Belegschaft, dass er den Betrieb vorerst aufrecht erhalten wolle. Er beabsichtige, die Insolvenzgeldansprüche der Arbeitnehmer während des vorläufigen Insolvenzverfahrens vorzufinanzieren.
Zunächst werde er sich einen Überblick über die Lage verschaffen und in den nächsten Wochen die Möglichkeiten einer Sanierung prüfen, sagte Waculik gegenüber der Redaktion. Offenbar gebe es Interessenten für das Unternehmen. Wie aber genau deren Pläne und Vorstellungen aussehen, werde sich zeigen.
Nach Einschätzung von Waculik „befindet sich die Textilbranche seit Jahren in einer tiefen Krise“. Die sei durch die Corona-Pandemie „massiv verstärkt“ worden. Vor allem die Geschäftsschließungen während der Lockdown-Phasen dürften mit Umsatzeinbrüchen in der gesamten Modebranche einhergehen. Die Peine-Mitarbeiter etwa seien seit März 2020 in Kurzarbeit.
Die Peine GmbH schrieb ohnehin schon seit Jahren rote Zahlen. Hauptgesellschafter des Unternehmens ist die chinesische Unternehmensgruppe Shandong Ruyi Technology. Für Ruyi soll das Engagement in Wilhelmshaven vornehmlich strategische Gründe gehabt haben – als Basis für den Einstieg in den europäischen Modemarkt. Waculik bedauert den drohenden Rückzug der Chinesen. „Das war sicher ein finanzstarker Partner.“
