Wilhelmshaven - Das amerikanische Laptop Magazine hat Dell vor kurzem im Vergleich mit großen Notebook-Herstellern zum wiederholten Male Bronze, den dritten Platz, verliehen. Nun kann man von solchen Rankings halten, was man möchte: Den Eindruck, dass Dell recht experimentierfreudig ist, wenn es um die Weiterentwicklung der mobilen Computer ist, teilen wir.

Ausdruck davon ist unter anderem das neue Modell des Dell XPS 13. Die Reihe 9370 war eines der Highlights der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Wir durften das neue XPS 13 einige Wochen testen.

Die offensichtlichste Innovation an diesem Gerät ist auf den ersten Blick erkennbar: Wer den Deckel aus rosé-gold-farben gehaltenen Aluminium aufklappt, blickt nicht nur auf das 13,3 Zoll große Cinema-Display, das bis auf vier Millimeter dünne Ränder oben und an den Seiten die gesamte obere Hälfte abdeckt, sondern auch auf eine weiße, im Dunkeln beleuchtete Tastatur und eine ungewöhnlich aussehende weiße Handablage. Diese hat Dell aus gewebten Glasfasern hergestellt. Haptisch fühlt sich das ein wenig so an, als würde die Hand auf einem geflochtenen Korb ruhen. Neben dem optischen Gag soll der Werkstoff aber auch einen Beitrag zu Leichtigkeit und zur Thermik des Gerätes beitragen. Beim schwarzen Modell des XPS 13 setzt Dell auf Kohlefasern.

Wir haben den Computer dann testweise mal mit der Software 3DMark gequält, eine anspruchsvolle 3D-Simulation, die Prozessor und Grafikkarte an ihr Maximum bringt. Und tatsächlich: Während die Grafikkarte von der Anzeigequalität her schon fast kapitulierte, blieb das Notebook trotz Volllast erstaunlich lauwarm. Der nebst den hitzeableitenden Heat Pipes doppelt vorhandene Lüfter arbeitete zwar auf vollen Touren, aber auch das in einer Lautstärke, die einem das Arbeiten nicht verleidet.

Und ums Arbeiten geht es beim XPS13 ja gerade: Das Notebook gilt als mobiles Arbeitspferd, weshalb Leichtigkeit, geringe Dicke und niedrige Lautstärke gepaart mit einem guten Display, einer vernünftigen Tastatur und einem starken Prozessor - in unserem Fall ein Core i7- Vierkerner von Intel - die vom Käufer erbetene Rezeptur ist.


Um immer mehr aus der Technik herauszukitzeln, muss man - wie beim Material - schon einfallsreich sein und der alten Rezeptur neue Zutaten hinzufügen. Das XPS 13 zeigt aber Innovation auch dort, wo sie schlichtweg nur der Vereinfachung von wiederkehrenden Abläufen dient. Im Power-Button oben rechts steckt zum Beispiel gleichzeitig ein Fingerabdruckscanner, um das Gerät ohne Passworteingabe aufzuschließen. Alternativ kann einen aber auch die eingebaute Webcam mit Unterstützung von Infrarotsensoren erkennen und per Windows Hello den Zugang freigeben.

Es gibt jedoch auch Verbesserungen, die eindeutig ihren Preis haben: Die geringe Dicke des Geräts mit elf Millimetern an der dicksten Stelle hat zum Beispiel zur Folge, dass Dell nur zwei schlankere Thunderbolt-3- und einen USB-C-Anschluss eingebaut hat. Wer den althergebrachten und noch weit verbreiteten USB-A-Stecker anstöpseln möchte, muss auf einen Adapter zurückgreifen. Damit macht man sich nicht nur Freunde, wie schon Apple bei seinen MacBooks leidlich erfahren musste. Apple-Nutzer können über dieses Ärgernis in der Windows-Welt allerdings nur schmunzeln, weil es bei ihnen schon seit Jahren ein Thema ist, und vermutlich wird auch in der PC-Welt wie einst beim USB-A-Anschluss in ein paar Jahren keiner mehr darüber reden.

Der Vorteil von Thunderbolt 3 und USB-C ist, dass die Anschlüsse mehr Möglichkeiten bieten. Die Thunderbolt-Anschlüsse vermögen zum Beispiel beide den Anschluss des Stromkabels, sie können ferner ultraschnelles Zubehör und einen externen Monitor mit dem Notebook verbinden und die USB-C-Buchse kann auch als Displayport-Anschluss verwendet werden. Neben dem 3,5-mm-Klinkenstecker für Kopfhörer findet man ferner noch einen Slot für microSD-Karten vor. Erfreulich ist, dass Dell noch Platz für die aus Leuchtdioden bestehende Akkuanzeige gefunden hat, die mit einem kleinen Knopf aktiviert wird. Apple inspirierte einst dazu, aber dort gibt es die Anzeige leider schon lange nicht mehr.

Gerade das XPS 13 kann seinen Akkustand allerdings auch sehen lassen. Wahlweise gibt es ein Modell mit 4K-Touch-Screen oder HD-Auflösung (1920x1080 Pixel). Vermutlich mit Blick auf Ultra-HD ist der Akku extrem leistungsstark, was Nutzer des Geräts der geringeren Auflösung noch viel stärker spüren. Einen Arbeitstag im Dauerbetrieb hält das 1,2 Kilogramm schwere Gerät locker durch. Den Hut ziehen muss man vor Dell auch angesichts der Tastatur, die in Sachen Druckpunkt, Federung und Tastenhub angenehmes Arbeiten ermöglicht - bei sehr dünnen Notebooks keine Selbstverständlichkeit mehr.

Wer sich nicht den Anschlüssen stört, könnte bei zwei anderen Aspekten Punktabzug geben: Zum einen spiegelt das ansonsten grandiose Display ein wenig. Wir haben dies selbst an sonnigen Tagen nicht als Beeinträchtigung beim Arbeiten empfunden, aber es könnte Anwender durchaus stören. Zum anderen ist die Webcam unter dem Display angebracht, wodurch sie dem Nutzer in die Nase reinschaut, wie manche Nutzer kritisieren, auf alle Fälle aber ein Doppelkinn provoziert.

Das Dell XPS 13 mit Windows 10 als Betriebssystem gibt es wahlweise mit acht bis 16 Gigabyte Arbeitsspeicher, Core i5 oder i7-Prozessor sowie 256 bis ein Terabyte SSD. Die Preise beginnen bei 1389 Euro.

Unter dem Strich ist das Dell XPS 13 nicht nur ein optischer Leckerbissen, sondern auch das, was unter der Haube steckt, schmeckt dem Nutzer. An der Abkehr von USB-A kann man sich reiben - sollte man aber nicht, weil irgendwo halt mal ein Punkt gemacht werden muss, um die neuen, besseren Anschlüsse durchzusetzen. Wo, wenn nicht bei einem Gerät, das für Zukunft gebaut wurde, sollte das der Fall sein?