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Interview in Wilhelmshaven Dehoga-Chef Olaf Stamsen über Dokumentationspflicht der Gastronomie

Wilhelmshaven -

Herr Stamsen, Gastronomen sind verpflichtet, ihre Gäste zu registrieren. Aber das Prozedere ist in einzelnen Betrieben durchaus unterschiedlich. Wie sehen die Vorgaben aus?

Olaf StamsenNeben der reinen Erfassung der Kontaktdaten empfehlen Dehoga und die Berufsgenossenschaften, dass man den Zeitraum absteckt, also wann ein Gast kommt und wann er geht. Das ist sehr wichtig, um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen. Gerade bei größeren Läden lässt sich so schneller ermitteln, wer jeweils im Umfeld saß. Dazu gehört natürlich auch die Registrierung der Tischnummer. Nun ist es allerdings in manchen Betrieben schwierig, weil es gar keine Tischnummernvergabe gibt. Die meisten aber haben sie, weil man die Tischnummer direkt in das Kassensystem eingeben muss. Ich weiß von all unseren Wilhelmshavener Betrieben, dass sich alle große Mühe geben, die Dokumentation sehr genau zu erfüllen, weil es ja letzten Endes auch im eigenen Interesse ist.

Guter Vorsatz des Einzelnen

Trotzdem scheint es Schwachstellen zu geben...

StamsenMan kann natürlich nicht individuell in jedem Mitarbeiter stecken. Wenn da mal einer richtig im Stress ist und sagt, ich bin froh, wenn ich hier meine Gäste bedient bekomme, dann kann es passieren, dass etwas durchrutscht. Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass jeder Einzelne den Vorsatz hat, es gut und richtig zu machen. Wir machen es zum Beispiel intern so, dass abends nochmals alle Zettel durchgeschaut werden. So ließe sich durch die einzelnen Schichten eingrenzen, wann ein Gast da gewesen ist.

Auch andere Namen

Werden die Registrierungen akkurat ausgefüllt?

StamsenLeider haben wir, wie auch viele andere Betriebe, das Problem, sehr oft Harrison Ford, Heinz Rühmann oder sogar Greta Garbo zu Gast zu haben, weil eben einige die Zettel nicht so „genau“ ausfüllen.

Wenig Kontrollmöglichkeit

Eine echte Kontrollmöglichkeit haben Sie nicht?

StamsenNein, die Leute können drauf schreiben, was sie wollen. Aber wir haben unsere Mitarbeiter angewiesen, dass sie beim Einsammeln des Zettels noch einmal schauen, dass die Angaben nicht auffällig falsch sind.

Ausweiskontrolle ist schwierig

Wäre eine zusätzliche Ausweiskontrolle Option?

StamsenDas wäre vom Ablauf her gar nicht möglich. Wir hätten eine Super-Bürokratie, aber der Gast würde vermutlich nie das bekommen, was er bestellt hat. Und schließlich kommen die Gäste, um bewirtet und nicht um kontrolliert zu werden. Es gibt aber inzwischen Gäste, die schon echte Profis sind. Sie bringen extra Visitenkarten mit. Wir müssen dann nur noch Tischnummer und Uhrzeiten eintragen, das macht es leichter.

Stichprobenkontrolle der Zettel

Wie wird die Dokumentation überprüft?

StamsenEs kommen Mitarbeiter des Ordnungsamtes vorbei, um sich einen Überblick über den jeweiligen Umgang mit der Dokumentationspflicht zu verschaffen. Da werden dann stichprobenartig Zettel kontrolliert.

Viele Tagesgäste in Wilhelmshaven

Nun ist Wilhelmshaven bislang von Corona relativ verschont geblieben...

StamsenAbsolut, und das trotz der aktuellen Menschenmenge, insbesondere der großen Zahl an Tagesgästen. Im Hotelbereich ist es mit der Dokumentation ohnehin relativ simpel, weil wir dort dem Meldewesen unterliegen. Außerdem sind Hotelgäste auch ein bisschen „seriöser“ bei der Registrierung, weil sie natürlich hier einen schönen und ruhigen Urlaub verleben wollen. Da hat man dann keinerlei Diskussionen.

Jedes Bundesland hat eigene Verordnungen

In der Gastronomie aber schon?

StamsenJa, zumindest eher, gerade wenn es sich um größere Gruppen handelt und eben nur zehn Personen an einen Tisch dürfen. Hinzu kommt, dass die Regelungen in den Bundesländern unterschiedlich sind. Zuletzt waren sehr viele Gäste aus Nordrhein-Westfalen hier. Die erzählen dann, wie es bei ihnen Zuhause gehandhabt wird. Aber hier ist Niedersachsen – und hier gelten niedersächsische Verordnungen. Das ist nicht immer so ganz leicht.

Neuigkeiten werden mitgeteilt

Nun wurde zuletzt auch bei einem hiesigen Gastronomen eine mangelhafte Dokumentation festgestellt. Wie geht der Dehoga damit um?

StamsenWir haben eine Whatsapp-Gruppe für alle Mitglieder, in der alle Neuigkeiten kommuniziert werden und wo wir auch immer appellieren, wenn wir von einem Problem gehört haben, dieses besonders im Auge zu haben. Das klappt sehr gut. Nun wünscht sich aber auch jeder Gast ein bisschen was anderes. Bei mir im Betrieb werden zum Beispiel jedes Mal Speisekarten und Tische desinfiziert – das ist alles nicht gesetzlich verlangt, das sind Empfehlungen der Berufsgenossenschaften und der Dehoga. Manche Gäste würden sich sogar wünschen, an einem komplett neuen Tisch zu sitzen. Aber alles hat auch seine Grenzen.

Lutz Rector
Lutz Rector Stellv. Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung
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