Wilhelmshaven - Ulrike Schütze ist seit 2015 Ensemblemitglied bei der niederdeutschen Bühne in Wilhelmshaven. Seit vergangenem Jahr auch stellvertretende Bühnenleiterin und das, obwohl sie von Haus aus kein Plattdeutsch spricht. Denn eigentlich stammt sie aus Sachsen-Anhalt.

In Aschersleben ist die 34-Jährige aufgewachsen. „Ich wollte unbedingt ans Meer ziehen und so bin ich nach Wilhelmshaven gekommen.“ Beruflich fasst sie als Atemtherapeutin hier Fuß. Weil Schütze aus gesundheitlichen Gründen nach 22 Jahren mit dem Handball aufhören musste, suchte sie sich eine neue Leidenschaft.

Ein Bekannter macht sie auf das Theater am Meer aufmerksam und bereits in der Spielsaison 2015/16 ist die 34- Jährige als Souffleuse tätig. In der darauffolgenden Saison steht Schütze dann erstmals auf der Bühne. Dass sie dabei Platt „snacken“ muss, war für sie kein Hindernis. „Ich konnte kein Plattdeutsch, aber ich bin recht sprachbegabt und spreche Englisch und Schwedisch.“ Plattdeutsch zu lernen, sei für sie wie eine neue Fremdsprache gewesen. „Ich finde es toll, dass wir auch zum Erhalt dieser Sprache beitragen.“

Singen in der Kantorei

In der Jadestadt auf der Bühne zu stehen, ist für die 34-Jährige keine neue Erfahrung. Schon von klein auf stand sie in ihrer Heimat auf allen möglichen Bühnen. Selbst im Stadttheater in Wilhelmshaven hat Schütze schon geschauspielert. Für eine Produktion suchte die Landesbühne singende Statisten und wurde fündig.


Denn neben der Schauspielerei liegt ihr auch das Singen. In der Banter Kantorei verfolgt sie dieses Hobby mit ebenso viel Leidenschaft, vor allem klassische Musik hat es ihr angetan. „Diese Art von Musik ist einfach wundervoll.“ Lampenfieber ist für Schütze dagegen ein Fremdwort. „Man ist natürlich aufgeregt, aber mir macht es so viel Spaß, anderen Freude durchs Singen oder Schauspielern zu vermitteln.“

Das Theater allerdings ist ein zeitintensives Hobby. In der Produktionsphase, die acht bis neun Wochen vor der ersten Aufführung beginnt, proben die Laienschauspieler dreimal die Woche am Abend. Kurz vor der Premiere geht es dann in die Vollen. „Wir proben in den letzten zwei Wochen jeden Tag bis auf das Wochenende, das ist beinahe wie im Profibereich.“

Ihre Leidenschaft trifft im Freundes- und Familienkreis, trotz des Zeitaufwandes, auf viel Verständnis. „Ich habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht, im Gegenteil, alle sehen das als sehr sinnvolle Beschäftigung an.“

Vielfältige Aufgaben

hinter dem Vorhang

Ihre Eltern sind vor einiger Zeit von Aschersleben nach Wilhelmshaven gezogen und sehen die Tochter so oft wie möglich auf der Bühne.

Seit vergangenem Jahr ist Ulrike Schütze nun stellvertretende Bühnenleiterin und kümmert sich um viele organisatorische Dinge, die hinter der Bühne stattfinden. Dazu gehört unter anderem, die Spielzeitplanung oder auch den Tag der offenen Tür vorzubereiten. „Für mich hat sich dadurch noch einmal gezeigt, wie vielfältig und wichtig die Arbeit auch hinter der Bühne sein kann.“

Und vielleicht führt Ulrike Schütze auch irgendwann noch einmal Regie.

Kea Ulfers
Kea Ulfers Redakteurin, Wilhelmshavener Zeitung