Wilhelmshaven - Banken stecken wie andere traditionelle Branchen in einem Wandel. Digitalisierung, immer mehr regulatorische Vorschriften, aber auch die sich ändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen das Geschäft der Kreditwirtschaft. Der Generalist ist heute weniger gefragt als der Spezialist, sagte gestern Norbert Philipp, Vorstandssprecher der Volksbank Wilhelmshaven, bei der Vorstellung der Bilanzzahlen für 2021.
Wie sieht die Bilanzfür das Jahr 2021 aus?
„Das Geschäftsjahr 2021 war ein sehr erfolgreiches“, sagte Philipp im Beisein seines Vorstandskollegen Tobias Reisse. Die Volksbank legte beim betreuten Kundenvolumen um 14 Prozent zu und knackte die Milliardengrenze (1,072 Mrd. Euro). Die Bilanzsumme stieg um 19 Prozent, rund 100 Mio. Euro, auf 613,4 Mio. Euro an. Treiber war vor allem das Kreditgeschäft (451,8 Mio. Euro), das alleine um 23 Prozent wuchs. Nach wie vor gibt es einen Ansturm auf private Immobilienfinanzierungen. Aber auch das Mehrfamilienhaus hat als Anlageform an Prestige gewonnen. Das Einlagengeschäft legte um 6 Prozent zu.
Laut Reisse wächst nicht nur der Umsatz, sondern auch Zinsüberschuss (10,48 Mio. Euro) und Ergebnis (6,12 Mio. Euro). Die Personalaufwendungen sind aufgrund eines neuen Bonussystems leicht gestiegen (von 4,25 auf 4,37 Mio. Euro), ebenso der Verwaltungsaufwand aufgrund von Technikinvestitionen (2,67 Mio. Euro). Der Jahresüberschuss wächst leicht von 2,073 (2020) auf 2,248 Mio. Euro.
Wirkte sich Corona spürbar auf die Bank aus?
Ja und Nein. Aufgrund der Null-Zins-Politik sind Wertpapiere und Immobilien am meisten gefragt. Klassisches Sparen ist hingegen ein Auslaufmodell. Probleme im Kreditgeschäft infolge des Lockdowns konnten durch Staatshilfen und frühzeitiges Risikomanagement vermieden werden, sagt Norbert Philipp.
Wie hat sich die Zahlder Mitglieder entwickelt?
Die Mitgliederzahl steigt – von 7627 im Jahr 2020 auf 7706. Dies sei umso bemerkenswerter, da der Zuwachs im Kontext des demografischen Wandels zu sehen ist, also mehr Mitglieder gewonnen werden, als vor allem durch Sterbefälle verloren gehen. Die Volksbank Wilhelmshaven habe ihren Marktanteil ausweiten können, was auch den zurückgehenden Aktivitäten von Mitbewerbern zuzuschreiben sei.
Bleiben die Filialenalle erhalten?
Weitere Filialschließungen sind laut Norbert Philipp nicht vorgesehen. Die Nähe zu den Kunden sei der Bank wichtig. Zuletzt hatte die Volksbank ihren kleinen Standort in Altengroden-Süd geschlossen. Bis zur Jahresmitte wird auch der dortige SB-Bereich weichen. Neben der Hauptstelle gibt es aktuell noch vier Filialen im Stadtgebiet.
Was wird für dasJahr 2022 erwartet?
Für dieses Jahr wird ein „zufriedenstellendes Ergebnis“ erwartet. Die Kreditnachfrage bleibe hoch, aber der Zuwachs werde voraussichtlich im knappen zweistelligen Bereich liegen, so Norbert Philipp. Eine Überhitzung des Immobiliengeschäfts sehe man nicht. Die hohe Inflation sei ein Thema, ebenso geopolitische Faktoren wie aktuell der Russland/Ukraine-Krieg. Aber auch das sich immer wieder verschärfende Aufsichtsrecht für Banken sei ein weiterer Faktor, der sich auch 2022 auswirkt.
Für den 22. Juni wird die Vertreterversammlung in Präsenz angestrebt.
