Wilhelmshaven - Gleißend reflektiert das Sonnenlicht im Freibad Jever den letzten trockenen Rest schneeweißen Beckenbodens. Seit zehn Tagen läuft Wasser ein und hat den Nichtschwimmerbereich bereits zur Hälfte gefüllt. 230 Kubikmeter in 24 Stunden, Tag für Tag - bis drei Millionen Liter schließlich das Bad bis zum Rand gefüllt haben.

Gefüllt wird das Becken mit Grundwasser aus einem Brunnen auf dem Gelände an der Grenze zur Jugendherberge. Da das Wasser stark eisenhaltige ist, passiert es zwei Filter, bevor es ins Becken gelangt. Vier weitere, gewaltige Filteranlagen mit zusammen 50 Tonnen Kies-, Sand und Aktivkohlefiltern reinigen pro Stunde 840 Kubikmeter Wasser - in vier Stunden das komplette Beckenwasser. Badewasser in Trinkwasserqualität.

Die Saison beginnt für die beiden Schwimmmeister, Betriebsleiter Wilfried Faß und seinen Kollegen Manfred Schinner, wenn noch keine Menschenseele ans Schwimmen denkt. Im Planschbecken müssen Frostschäden ausgebessert und die ganze riesige Fläche des Bades gereinigt werden. Mitglieder des Fördervereins helfen bei Arbeiten auf dem Gelände. Für das aufwendige Anfahren der Anlage aber sind die Fachleute zuständig. Ingenieur Hans Wilhelm Schaus aus dem Bauamt ergänzt das Team.

Sie sind die einzigen, die die Stahltür öffnen dürfen, die Zutritt zur Unterwelt des Freibads erlaubt. Eine Metalltreppe führt hinab zu all den technischen Einrichtungen eines Schwimmbades - Heizung, Solaranlage, Filter, Aggregate für automatische Mess- und Aufbereitung. Auf 600 Quadratmetern und zweigeschossiger Höhe ergänzt eine Anlage die nächste in logischer Reihenfolge. Nur die gigantische Heizung ist stillgelegt. 3000 Kubikmeter Gas verbrauchte ihr Betrieb an einem einzigen Tag. Soviel wie ein Einfamilienhaus im Jahr, rechnet Wilfried Faß nach. Deshalb lief sie nach Inbetriebnahme des Bades 1980 gerade mal für zwei Saisons.

Danach ersetzte sie eine Solarheizanlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes und der Sporthalle.