Wilhelmshaven - Die Entscheidung des Landes, im Herbst 2021 von stationären Impfzentren auf mobile Impfteams zu wechseln, sei sicher „etwas unpraktisch“ gewesen, sagt Dr. Christof Rübsamen, Leiter des Wilhelmshavener Gesundheitsamtes. Und trotzdem: In der Jadestadt hat es gut funktioniert. Fast 33 000 Corona-Impfungen hat es vom 1. Oktober 2021 bis heute auf diesem Weg gegeben. Doch nun ist damit Schluss: Wieder eine Landesentscheidung.
Impflokal eröffnete am 7. Dezember 2021
Nach der Schließung des Impfzentrums in der Güterstraße haben unter der Leitung des Gesundheitsamtes die mobilen Impfteams der Stadt im Oktober 2021 ihre Arbeit aufgenommen. Zunächst wurde in Containern geimpft, ab dem 7. Dezember dann in der Nordseepassage. „Wir sind bewusst ins Herz der Stadt gezogen – in die Nordseepassage“, sagt Oberbürgermeister Carsten Feist. „Dort, wo es viele Bürger hinzieht, wo sich aber auch viele Touristen tummeln und sich ebenfalls impfen lassen können.“
Eine gute Idee, wie sich zeigen sollte. Im November und Dezember 2021 nutzten fast 16 000 Impflinge das Angebot. Für die weitaus meisten war es – wie während der gesamten Zeit des Impflokals – bereits die Drittimpfung. „Das passt in den zeitlichen Rahmen, weil mit der Eröffnung die Ständige Impfkommission die Empfehlung der Drittimpfung gegeben hatte“, blickt Rübsamen zurück.
Viele Helfer stützen die Impfkampagne
Die Leitung der mobilen Impfteams liegt zwar beim Gesundheitsamt, doch die Umsetzung der Impfkampagne verteilt sich auf viele Helfer, allen voran die Berufsfeuerwehr, die hier wichtige Amtshilfe leistet. Schon beim stationären Impfzentrum arbeitete man eng zusammen, so dass auf gemeinsame Erfahrungen zurückgegriffen werden konnte. „Es gab nie Diskussionen um Zuständigkeiten, alle waren und sind Kollegen“, lobt Josef Schun, Leiter der Berufsfeuerwehr. Auch habe es keinerlei Hierarchien, aber immer sehr kurze Dienstwege gegeben. „Das ist für mich fast beispiellos.“
Holger Grimm von der Berufsfeuerwehr war fast täglich in der Nordseepassage, kümmerte sich vor Ort um das Organisatorische. Geimpft wurde natürlich von entsprechendem Fachpersonal. „Wir hatten viele Ärzte aus Kliniken und Praxen dabei, aber auch pensionierte Mediziner“, erzählt er. Dazu kam das Rote Kreuz, der Arbeiter Samariter Bund und die Freiwillige Feuerwehr. Letztere habe dafür gesorgt, dass die Impfwilligen auch bei längeren Wartezeiten die Ruhe behielten.
Kinderimpfungen wurden im Februar 2022 vom Info-Center des Jade-Weser-Ports im Stadtnorden ebenfalls in die Nordseepassage verlegt, jeweils freitags. Dass es für Erwachsene damit einen Impftag weniger gab, habe manchmal für Unverständnis gesorgt. „Aber wir sind konsequent geblieben. Wenn sich die Eltern oder Großeltern auch impfen lassen wollten, mussten sie eben an einem anderen Tag wiederkommen“, sagt Grimm. Bislang haben sich 1620 Kinder ihren Piks abgeholt.
Wilhelmshaven erreicht eine hohe Impfquote
Das gute Zusammenspiel von Impflokal, Arztpraxen, Betriebsärzten und sonstigen Impfanbietern habe dafür gesorgt, dass die Impfquote in Wilhelmshaven immer besonders hoch gewesen sei, sagt der Oberbürgermeister. „Was vor einem Jahr für große Diskussionen sorgte, kann heute ohne große Schutzmaßnahmen stattfinden. Gegenseitige Besuche, Veranstaltungen, überhaupt jede Form von sozialen Kontakten sind inzwischen wieder Normalität. Wir haben aktuell eine Inzidenz von 460. Da hätten wir vor einem Jahr die Stadt abgeriegelt. Natürlich gibt es weiterhin Infektionen, aber wir können damit umgehen. Und das hat ganz viel damit zu tun, dass die Impfkampagne funktioniert hat. Deshalb habe ich keine Wehmut, dass die mobilen Impfteams jetzt aufgelöst werden, sondern bin einfach nur allen Beteiligten dankbar.“
Donnerstag ist Schluss: Zukunft bleibt ungewiss
Am Donnerstag, 15. Dezember, besteht letztmals die Möglichkeit, sich zwischen 13 und 18 Uhr in der Nordseepassage impfen zu lassen. Dass es noch einmal erforderlich sein könnte, Impfstationen einzurichten, will Dr. Christof Rübsamen nicht ausschließen. „China hat ja gerade seine Corona-Politik geändert und es gibt enorm viele Infektionen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus verändert. Vielleicht benötigen wir dann einen völlig neuen Impfstoff. Alles das weiß heute aber keiner.“
