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Kulturlandschaft Die „Suedbar“ kämpft ums Überleben

Gerd Abeldt

Wilhelmshaven - Die „Suedbar“ steht vor dem Aus. Genauer der gemeinnützige Verein „Neue Botschaft Sued e.V.“. der sich die Förderung von originellen Kunst- und Kulturprojekten in Wilhelmshaven auf die Fahne geschrieben hat. Vorsitzender Marcus Scharfenort: „Am Ende bricht uns möglicherweise die Bürokratie das Genick.“ Die Geschichte des 2014 aus der Taufe gehobenen Vereins steckt voller Widersprüche. Da wundert es kaum noch, dass es ausgerechnet ein Hilfsfonds ist, der das wirtschaftliche Aus für das allseits gelobte Engagement besiegelt könnte.

Aber der Reihe nach: Die „Neue Botschaft Sued“ hat Glanz in so manche Schmuddelecke in Wilhelmshaven gebracht und Leben in viele Leerstände. Ein Beispiel: Eine Kulturveranstaltung auf dem ehemaligen Schlachthofgelände in der Südstadt rückte das unter Denkmalschutz stehende, vom Verfall bedrohte einstige Verwaltungsgebäude in den Fokus. Ein anderes: Eine Kulturparty im historischen Jadebad zeigte, dass das urige Ensemble viel zu schade für den schon geplanten Abriss ist. Zuletzt unterstützte die „Suedbar“ im vergangenen Jahr den Kulturverein „Alte Molke“ bei dessen Gegenentwurf zum Stadtgeburtstag. Scharfenort: „Wilhelmshaven war nicht nur die Stadt der Pickelhauben  ...“

Schieflage des Vereins hängt auch mit seinem Erfolg zusammen

Der Vorsitzende ist seit April vergangenen Jahres im Amt. Sozialpolitische oder kulturelle Aktionen der „Suedbar“ sind seither in den Hintergrund gerückt. Der Verein kämpft ums schiere Überleben. Wobei seine Schieflage ein Stück weit dem eigenen Erfolg zuzuschreiben ist. Der Verein erfüllte auf den ersten Blick alle Anforderungen, die der städtische „Sozialfonds“ für eine Förderung verlangt: Er wird rein ehrenamtlich geführt, er engagiert sich für kulturelle Projekte und diese beziehen sich ausnahmslos auf das Wilhelmshavener Stadtgebiet. Für 2017 beantragte der „Verein Neue Botschaft Sued“ mit Unterstützung eines Steuerberaters einen Zuschuss aus dem von der Stadt mit 50 000 Euro gespeisten Förderprogramm. Mit Erfolg. Der Verein erhielt einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro.

Die Freude währte nicht lange. Eine Prüfung seitens der Stadt ergab, dass der Verein bei seinen gut besuchten Veranstaltungen – bezogen aufs Jahr – in 2017 (Jadebad) einen Überschuss erwirtschaftet hatte – wenn man die später eintrudelnden Rechnungen dafür nicht berücksichtigt. Zudem wurden, so Scharfenort, einige Kosten wie etwa die Stromrechnung für die Veranstaltungen nicht anerkannt. Kurzum: Die Stadt forderte zunächst 2300 Euro, inzwischen sogar den gesamten Zuschussbetrag zurück. Das Geld ist aber nicht mehr da. „Es ist alles in kulturelle Projekte geflossen“, versichert Scharfenort. „Bis hin zu einem Mischpult – aber das können wir ja nicht zurückgeben.“

Hoffen auf die Lokalpolitik

Einen Ausweg aus der vertrackten Situation erhofft sich der Verein von einem Gespräch mit dem Ersten Stadtrat Armin Schönfelder. Der hatte in der April-Ratssitzung Vereinsvertreten zugesagt, den Vorgang noch einmal prüfen und mit nach einer Lösung suchen zu wollen. Erschwert wird die Situation dadurch, dass der Verein im April 2019 einen komplett neuen Vorstand bekommen hat, für den bis heute nicht alle Details der Rückforderung der Stadt klar sind. Aber erkennbar ist, dass die Antragsteller im Vorfeld schlecht beraten waren. Aus Sicht von Scharfenort sind die ehrenamtlich Aktiven des Vereins an mehreren bürokratischen Hürden gescheitert – nicht nur am Kleingedruckten in den Statuten des städtischen Sozialfonds. Auch das Registergericht fordert noch Belege aus der Zeit der Vereinsgründung nach. Zeit für Kulturförderung in Abbruchimmobilien bleibt dem Vereinsvorstand angesichts der vielen hausgemachten Baustellen derzeit wenig, zumal die Mitgliederzahl von 45 auf nur noch 27 gesunken ist.

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