Wilhelmshaven - Wilhelmshaven - Drei Millionen Euro und eine Geldübergabe wie in so manchem Spionagefilm verbinden Peter Frank und Manfred Schmitz mit der Nimitz. Die beiden arbeiteten in den 1970er Jahren bei der Dresdner Bank und sorgten dafür, dass der amerikanische Flugzeugträger bei seinem Besuch in Wilhelmshaven mit D-Mark versorgt wurde.

Der Plan für die Geldübergabe war einfach: Manfred Schmitz sollte mit einem Hubschrauber abgeholt und mit dem Geldkoffer zur Nimitz geflogen werden. Aber das Wetter machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Also ging es mit dem Schlepper raus zum Flugzeugträger. Der hatte schon vor Schillig seine Motoren ausgestellt, durch den Schub war er aber noch immer viel zu schnell, als dass ihn der Schlepper hätte einholen können. Manfred Schmitz musste umsteigen während der Fahrt. Mit dem Geldkoffer in der Hand sprang er auf das Schiff der Wasserschutzpolizei und setzte über.

Später kam den beiden Bankern dann eine ganz andere Idee: In der Stadt waren plötzlich viele Gewerbetreibende unterwegs, die Geld wechselten sehr zum Nachteil für die Amerikaner. Also haben wir eine offizielle Wechselstube der Dresdner Bank aufgemacht, sagt Peter Frank. In einem Wohnwagen direkt an der Pier. Die Soldaten standen stundenlang Schlange, um zu wechseln.

Heinrich Siemens verbindet den Besuch der Nimitz hingegen mit einem ganz anderen Begriff: Nachbarschaftshilfe. Der Bäckermeister hatte nach zähen Verhandlungen von den Amerikaner den Auftrag bekommen, an zwei Tagen je 3000 Hot-Dog-Brötchen zu liefern. Am Ende des Gespräch sagte mir der Amerikaner, dass die Brötchen natürlich aufgeschnitten sein müssten. Für Heinrich Siemens stellte sich plötzlich nur noch eine Frage: Wie sollte das zu schaffen sein?

Als er mit dem Rad in Rüstersiel unterwegs war, kam ihm der rettende Gedanke: Er bat die Nachbarn um Hilfe. Die haben sofort geholfen und wir konnten den Auftrag erledigen.


Kein gutes Geschäft machte hingegen Ingrid Aßmus. Sie war in den 1970er Jahren Inhaberin eines Geschäfts in der Innenstadt. Eigens für den Besuch der Amerikaner hatte sie eine US-Flagge von der Botschaft bestellt und an die Ladentür gehangen. Die Soldaten kamen tatsächlich aber nur, um nach dem Weg zur nächstgelegenen Schule zu fragen. Die Mädchen sind nachher mit vollen Taschen in die Läden gekommen, erinnert sich Ingrid Aßmus.

Eine lange Freundschaft entstand aus der Schiffsbesichtigung von Sigrid und Manfred Zinke. Die beiden lernten auf dem Rathausplatz den Soldaten Bill Thornten kennen. Sie zeigten ihm die Jadestadt und zum Mittag gab es typisch deutsches Essen. Selbstgekocht von Ingrid Zinke. Der Soldat revanchierte sich mit einer Privatführung durch das Schiff. Es war einfach beeindruckend, erinnert sich Sigrid Zinke, wann hatte man schließlich schon mal Flugzeuge auf einem Schiff gesehen?.

Einen folgenschweren Fehler machte hingegen Bernhard Abbass. Als er die Nimitz bei ihrem zweiten Besuch 1978 besuchte, fragte der amerikanische Führer, ob einer aus der Besuchergruppe Englisch sprechen könne. Natürlich sprechen alle Marineoffiziere Englisch, nur hatte ich zu schnell die Hand erhoben, erinnert er sich. Und so wurde er während der Führung zum Simultanübersetzer. Am Einprägendsten waren für ihn jedoch die Ausmaße des Schiffes: Am imposantesten fand ich das Festmachen der Barkasse am See-Fallreep des Trägers an dessen 317 Meter langen Wasserlinie. Es kam mir vor, wie das Anlegen an einer Steilküste.

Ralf Itzin erinnert sich vor allem daran, wie die Amerikaner in Wilhelmshaven übers Ohr gehauen wurden. Gegenüber der Disco, auf dem alten Bahnhofsvorplatz, stand eine Wurstbude. Als die vielen Marinesoldaten der Nimitz die Stadt bevölkerten, waren die Preis für eine Curry-Wurst oder eine Frikadelle in D-Mark gleich hoch wie die in Dollar. Der Wechselkurs lag eigentlich bei 3,60 DM. Man habe einfach einen Querstrich zwischen die beiden Währungen gemacht. Ähnlich habe es sich auch mit den Taxi-Preisen verhalten und mit den Wechselkursen, weshalb die beiden Banker Peter Frank und Manfred Schmitz beim zweiten Besuch der Nimitz 1978 wieder in die Pflicht genommen wurden.

Die Bank wurde erneut beauftragt, diesmal sollte das Geld allerdings an Bord gebracht werden. Wir fuhren mit den Geldkoffern zum Fliegerhorst Upjever, so Peter Frank. Dort warteten sie am Rollfeld, bis aus dem Nebel eine Maschine auftauchte, die das Geld zum Flugzeugträger bringen sollte. Das war ein bisschen, wie in einem Agenten-Film.

Aufgrund der großen Resonanz auf den Aufruf an die WZ-Leser, uns Erinnerungen an den Flugzeugträger zu schicken, werden wir diese Folge verlängern und auch in der kommenden Woche über die Geschichten zur Nimitz berichten.