Wilhelmshaven/Dresden - Geschichtsunterricht einmal anders gestaltete Lehrerin Isabel Behnen mit der Klasse 9c der Cäcilienschule im ersten Halbjahr. Statt des regulären Lehrplans widmeten sie sich einem Projekt, mit dem sie am erstmals ausgerufenen Leo-Trepp-Schülerpreis zum Thema „Lebendiges Judentum in Deutschland“ teilnehmen wollten. Am Ende reichten sie für den bundesweiten Wettbewerb das Minibüchlein „Entdecke das Judentum“ ein und sicherten sich damit den Sieg.

„Zunächst erhielten wir nur eine E-Mail mit einer Einladung zur Siegerehrung in den sächsischen Landtag nach Dresden. Zudem gab es den Hinweis, dass wir es unter die besten Drei geschafft haben“, erklärt eine Schülerin der 9c. Und vor Ort dann die frohe Kunde: Der Gewinner des Leo-Trepp-Schülerpreises ist die Klasse 9c der Cäcilienschule in Wilhelmshaven. Angesprochen auf das Gefühl, plötzlich als Sieger aufgerufen zu werden, platzt es aus einem Klassenkameraden heraus: „Das war mega-geil.“ Der Preis: Eine Klassenfahrt nach Berlin oder Frankfurt. Zudem standen im Zuge der Siegerehrung auch noch zwei Übernachtungen an sowie Freizeit zur Erkundung der Stadt.

Was dazu noch wichtig ist

Der Leo-Trepp-Schülerpreis wurde am 16. Juni 2022 erstmals verliehen. Namensgeber Leo Trepp war Landesrabbiner in Oldenburg, bis ihn die Nationalsozialisten 1938 in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschlepptenTeilgenommen haben insgesamt 73 Schulklassen bzw. Gruppen der Jahrgangsstufen 9 und 10 aller weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.Die Ausschreibung für das neue Schuljahr 2022/2023 beginnt am Montag, 12. September 2022. Das Thema dafür sowie weitere Informationen über die Teilnahme gibt es ab dem Starttermin im Internet unter www.leotrepp.org

Doch damit nicht genug: Dr. Charlotte Knobloch, Schirmherrin des Schülerpreises und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, lobte die Jadestädter in ihrer Laudatio. „In ‚Entdecke das Judentum‘ nehmen die Hauptcharaktere Eike von der Cäcilienschule und die Jüdin Ava den Leser gemeinsam an die Hand und führen ihn in bester rabbinischer Manier mit Fragen und Antworten in die Vielfalt und Schönheit der jüdischen Welt ein. (…) Dieser leichte und intuitive Zugang zeichnet das Büchlein neben der gewaltigen Rechercheleistung aus.“ Worte, die auch Geschichtslehrerin Isabel Behnen nicht kalt ließen: „Das war schon ein Gänsehautmoment.“

Leitidee für das Projekt war dabei, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur für sich selbst etwas über die jüdische Religion und Kultur mit einem besonderen regionalen Bezug zu Wilhelmshaven lernen wollten, sondern dieses Wissen auch Altersgenossen zur Verfügung stellen möchten. „Klar, wir mussten auch außerhalb des regulären Unterrichtes noch einiges an Zeit in das Projekt investieren, aber das hat mich nicht gestört. Es hat einfach Spaß gemacht“, so eine weitere Schülerin.

Dass sich die Klasse für ein Buch entschieden hat, liege auch daran, dass es für Jüngere praktischer sei, wenn sie darin blättern und reinlesen können. Neben Wissenswertem über die jüdische Religion, Geschichte und Kultur – unter anderem mit Blick auf Wilhelmshaven – , verkörpert durch die beiden Charaktere Eike aus der 9c der Cäcilienschule und Ava als Expertin, kann in dem Büchlein auch gerätselt werden.

Auf ihrem Weg zum Sieg wurden die 32 Cäcilienschüler nicht nur von ihrer Geschichtslehrerin und Experten des Judentums unterstützt, sie erhielten vom Förderverein und der Gerd-Möller-Stiftung auch finanzielle Hilfe. So konnte ihr Büchlein in größerer Stückzahl gedruckt und fortan in Vertretungsstunden eingesetzt werden.

Michael Hacker
Michael Hacker Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung