WILHELMSHAVEN - Es dampft an der Bügelstation in 'Muddi's Waschsalon', heiß-feuchte Luft steigt vom Bügelbrett auf, Mitarbeiterin Nadine Berens arbeitet gerade an einem knitterfreien weißen Hemd eines Geschäftsmannes. Nebenan erklingt der schrille Ton einer Waschmaschine bei vollem Schleudergang. Wäsche wird am Tisch zusammengelegt. Es herrscht reger Betrieb im Waschsalon.

Das Geschäft 'Muddi's Waschsalon' von Stefanie Toben und Vater Horst Politze an der Posener Straße 54 in Wilhelmshaven besteht seit Januar 2017, es läuft gut - so gut, dass sie am Samstag ihren zweiten Laden in der Südstadt, Grenzstraße 17, eröffnen. 'Wir haben gemerkt, unsere Kunden kommen vor allem aus dem nördlichen Teil Wilhelmshavens, wir wollen aber auch die Bürger im Süden erreichen, daher gehen wir noch einmal das Risiko ein und eröffnen einen zweiten Laden', sagt Horst Politze. Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, in der heutigen Zeit einen Waschsalon zu eröffnen? 'Es gab hier keinen', antwortet Horst Politze amüsiert. Er sei mit seiner Tochter öfter nach Bremerhaven zum Eishockey gefahren, durch ein dort ansässiges Geschäft kam der Gedanke auf. Nach ein paar Recherchen ergab sich, dass in der Region der beiden Wilhelmshavener kein Waschsalon in der Größenordnung existiert - die Idee von 'Muddi's Waschsalon' war geboren.

Knapp 1400 Kunden schauen im Monat im 'alten' Waschsalon mit ihrer Wäsche vorbei. Zu den Kunden zählen neben Wilhelmshavenern vor allem auch viele Friesländer, Urlauber - und neulich kam ein Paar eigens aus Leer vorbei. 'Es gibt hier einen Mann, der kommt mindestens einmal die Woche mit dem Bus und dem Zug aus Jever hergefahren, um hier seine Wäsche zu waschen', erzählt Stefanie Toben.


Der Grund dafür ist einfach: Viele, gerade ältere, Männer brauchen nicht unbedingt eine eigene Waschmaschine, stattdessen waschen sie ihre Kleidungsstücke lieber im Laden oder lassen waschen. Denn diese Möglichkeit besteht ebenfalls: Kunden können gegen ein kleines Entgelt ihre Wäsche bei 'Muddi' - so werden die vier Mitarbeiterinnen liebevoll genannt - abgeben. 'Muddi' wäscht dann für sie und legt am Ende alles wieder sorgsam zusammen - bereit zum abholen. Gerade für Soldaten sei das ein schönes Modell, berichtet Stefanie Toben.

Die Lieblingsgeschichte der 39-Jährigen dreht sich jedoch um eine Hochzeit: 'Hier kam mal ein Bräutigam herein, der einen großen Fleck auf seinem Hemd hatte. Die Trauung war zwar schon vorbei, aber er musste weiter zur Feier. Dann hatte er sein Hemd schnell in die Waschmaschine geschmissen und nach einer Stunde war alles wieder sauber, und er konnte zu seiner Hochzeitsfeier.' So etwas ist natürlich eher die Ausnahme, meistens kommen Soldaten, Monteure, Studenten, Geschäftsleute und Betreiber von Ferienwohnungen in den Salon. Aber am besten besucht ist er am Wochenende, insbesondere am Freitag - Freitag ist Waschtag. 'Dann machen wir den größten Umsatz', sagt Horst Politze.

So unterschiedlich die Kunden auch sind, das Waschen bringt sie irgendwie zusammen. Neben Unternehmern und Studenten, die am Tablet arbeiten, gibt es auch viele Kunden, die sich lieber in ein Gespräch verwickeln lassen. Man trinkt einen Kaffee aus dem Automaten zusammen und unterhält sich darüber, wo man herkommt. Für viel mehr reicht die Zeit schon fast nicht, denn die Waschmaschinen im Salon brauchen nicht so lange: 'Nach knapp einer Stunde ist man hier fertig und wieder draußen', erläutert der 65-jährige Horst Politze.

Im Geschäft wird auch der nostalgische Charakter bewahrt: An der Wand hängen alte Waschbretter, ein Waschlöffel sowie eine alte Wäschekugel und ein Wäschestampfer. Zudem gibt es neben den Sitzgelegenheiten auch eine Wäscheleine an der Wand - diese dient aber als 'schwarzes Brett'. Dort finden sich Kontaktanzeigen und 'Single-Socken' - einzelne Socken, die bei Waschladungen übrig geblieben sind.