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Erster Einblick Ein Gang durch die Corona-Impfstraße in Wilhelmshaven

Kea Heeren

Wilhelmshaven - Mal angenommen, die Zulassung für den Corona-Impfstoff liegt vor und nach Prüfung der Impfchargen beginnen am 27. Dezember in Deutschland tatsächlich die ersten Impfungen. Wie wird dann eine Impfung in den eingerichteten Zentren ablaufen? Fühle ich mich als Patient gut aufgehoben? Oder ist alles bloß ein Schnellschuss seitens der Landesregierung und die Impfzentren sind längst nicht soweit? Diese Fragen habe ich mir gestellt und zur Beantwortung einen Testlauf im Impfzentrum Wilhelmshaven gemacht. Ich bin als „Erst-Impfling“ durch die Impfstraße gegangen.

Draußen warten

Da steh ich nun, vor dem ehemaligen Aldi-Gebäude an der Güterstraße. Doch bis auf die Schiebetüren am Eingang und die grellen Leuchtstoffröhren, die das Innere hell erleuchten, erinnert nicht mehr viel an den Discounter. Ich schaue mich um und bleibe hängen: Eine türkisfarbene Klebefolie mit der Aufschrift „Impfzentrum“ verläuft entlang der oberen Kante der Fensterfront, wie eine Bordüre, die lediglich durch das Mauerwerk unterbrochen wird.

Mein Blick richtet sich wieder auf die Schiebetüren vor mir, denn ich will es nicht verpassen, eintreten zu dürfen: „Hier gilt Maskenpflicht“ steht auf dem Zettel an der Tür. Ich setze also die Maske auf und hoffe, dass meine Brille nicht allzu schnell beschlägt. Ein paar Atemzüge später ist es schon leicht neblig auf dem linken Auge, dennoch kann ich durch die Tür bereits etwas vom Aufbau des Impfzentrums erkennen: Ein langer breiter Flur liegt vor mir. Auf der linken Seite stehen Spanplattenwände, rechts vereinzelt Stühle. Verschiedene Bereiche vermag ich zu deuten. „Ich werd’s ja sehen, wenn ich drin bin“, denke ich mir. Ich hoffe aber, dass man mir erklärt, wo ich was zu machen habe, immerhin ist hier das mein erstes Mal als „Patient“.

Holger Grimm, organisatorischer Leiter und Mitglied der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven, läuft von drinnen auf mich zu. Er winkt und signalisiert mir durch die Tür, dass ich nun eintreten darf. Ich mache einen Schritt vor und die Schiebetür öffnet automatisch. Meine Schuhe kratzen über den stoppeligen Teppich am Eingang und finden danach Ruhe auf den glatten Fliesen. Es riecht nach Holz von den großen Spanplatten, die als Innenwände aufgestellt wurden.

Vor mir liegt der eher minimalistische Flur, ein paar Stühle lehnen an der rechten Wand. Auf der linken Seite dann die Holzwände und ein großer Fernseher, auf dem der Impfablauf erklärt wird. Links springen mir sofort die bunten Kunstwerke mit Wilhelmshaven-Bezug ins Auge, die an den Sperrholzplatten hängen. „Schöne Idee. Das macht es gleich weniger ungemütlich. Und man hat was zu schauen“, denke ich mir.


Anmeldung

Lange verweile ich jedoch nicht, denn ich muss zur ersten Station: Die Anmeldung beziehungsweise Registrierung. Hinter Plexiglas sitzt Thomas Schmidt an einem Schreibtisch. Viel sehe ich von ihm nicht: Über Mund und Nase trägt er eine FFP2-Maske, sein blaues Shirt mit der Aufschrift „Arbeiter-Samariter-Bund“ wird größtenteils vom Bildschirm des Laptops abgedeckt, mit dem er arbeitet.

Schmidt ist einer von vielen Ehrenamtlichen, die im Impfzentrum helfen. Mit ausreichend Sicherheitsabstand sitze ich vor dem Schreibtisch und beantworte seine Fragen: „Wie spät haben Sie denn einen Impf-Termin?“ fragt er, und ob ich überhaupt impfberechtigt sei. In einem ersten Anlauf sollen laut Bundesimpfplan zunächst Ältere sowie die Bewohner von Pflegeheimen und gefährdetes Personal im Gesundheitswesen geimpft werden. Für den Testlauf am Donnerstagabend gehöre ich ausnahmsweise dazu.

Thomas Schmidt nimmt meine Personalien auf und ich zeige ihm meinen Impfpass. Der sollte nämlich unbedingt zur Corona-Impfung mitgebracht werden. In dem Büchlein gibt es später die Eintragung über die erfolgte Impfung. Je Art des Impfstoffs muss ich dann zu einem bestimmten Termin auch noch einmal wiederkommen für eine weitere Spritze.

Pro Stunde könne man in Wilhelmshaven etwa zwölf Menschen pro Stunde impfen, erklärt mir Holger Grimm. Derzeit sei eine Impfstraße funktionsfähig, man könne aber problemlos auf drei aufstocken.

Fieber messen

Nachdem ich meine Personalien abgegeben habe, bekomme ich einen sogenannten Umlaufbogen zur Dokumentation, den ich ausfüllen muss. Nach kurzer Einweisung zückt Thomas Schmidt sein Fieberthermometer und überprüft meine Temperatur. Kein Fieber – alles gut. Ich darf also weiter. Der Umlaufbogen, den ich mitnehmen muss, erinnert an einen Laufzettel, auf dem die verschiedenen Stationen ihr Häkchen setzen. In diesem Fall wird angekreuzt: Fieber? Negativ! Ausweiskontrolle? Erfolgt! Bei mir stimmt alles und ich darf weiter.

Doch zur Impfung geht es noch nicht, sondern erstmal weiter den Flur hinunter zum Wartebereich. Neonorangefarbene Klebepfeile auf den Fliesen weisen mir den Weg. Holger Grimm geht voraus und führt mich zur nächsten Station. Ein türkisfarbenes Schild baumelt von der Decke, mit weißer Aufschrift „Wartebereich“.

Der ist vergleichbar mit einem Wartezimmer beim Arztes. Stühle stehen im Kreis. Ich darf mich entscheiden, ob ich sitzen oder stehen möchte, bis mich der Arzt im Impfzentrum aufruft.

In diesem Testdurchlauf muss ich natürlich nicht lange warten. Alle drei Arztzimmer sind leer. Die Räume sind voneinander abgetrennt und gedämmt, damit das Gespräch zwischen Arzt und Patient vor der Impfung vertraulich ablaufen kann. Niklas Pfaff, Mitglied des DRK Wilhelmshaven, übernimmt an dieser Stelle für Grimm. Er nimmt mich in Empfang und begleitet mich ins „Arztzimmer 1“. Ein Mediziner, der für die Impfung verantwortlich ist, muss allerdings noch vom Land Niedersachsen gestellt werden.

Pfaff erklärt mir jedoch schon mal den Ablauf: Bei einer Corona-Impfung gebe ich den Umlaufbogen an den Arzt, damit er die Häkchen und Daten überprüfen kann. Wir sprechen darüber, ob ich irgendwelche Bedenken hätte oder sonst noch etwas loswerden möchte. Nach einem kurzen Check würde der Arzt dann sein Kreuz auf dem Umlaufbogen machen und bei der Frage „Person zur Impfung zugelassen?“ ein „Ja“ markieren.

Teamarbeit

Ich verlasse das Arztzimmer. Niklas Pfaff bringt mich geradewegs zu den Impfkabinen. Auf der linken Raumseite stehen vier Impfkabinen abgetrennt nebeneinander, insgesamt stehen in Wilhelmshaven zwölf zur Verfügung. Verschiedene Bereiche sind stets voneinander abgetrennt, damit es nicht zu Begegnungen von Patienten kommen kann.

Ähnlich wie schon beim Arztzimmer, komme ich in Impfkabine 1, sie ist überraschend geräumig. Wie ich später erfahre, ist diese Kabine rollstuhlgerecht, dementsprechend hat man ausreichend Platz. Das Duo Jan Bremmers und Leon Drossel, beide vom DRK, ist für meine Impfung zuständig. Der eine ist Rettungssanitäter, der andere ist Notfallsanitäter in der Ausbildung. „Wollen Sie lieber sitzen oder auf die Liege?“, fragt mich Drossel. Ich entscheide mich für das Sitzen auf der Liege. Das schwarze Polster ist überzogen mit weißem Papier, das nach meinem Besuch einfach von einer Rolle abgerissen wird, das schwarze Kunstleder wird desinfiziert. Alles muss hygienisch sein.

Drossel und Bremmers klären mich gut über die Impfung auf. „Sind Sie Rechtshänder? Dann würde ich Ihnen den linken Arm empfehlen“, sagt Bremmers freundlich. Ich wähle links, kremple den Ärmel meines Pullovers hoch und ärgere mich, dass ich an diesem Tag ein so eng anliegendes Oberteil trage. Der Arm wird abgeschnürt, aber die Haut liegt frei. Nach kurzer Desinfektion kommt im Ernstfall der Piks, doch der Impfstoff fehlt ja noch.

Anschließend darf ich mich bereit machen für die Weiterreise. Bremmers zieht an einem Vorhang an der anderen Seite der Impfkabine. Mit einem „Ritsch“ tut sich hinter dem Vorhang ein neuer schmaler Flur auf. Und auch hier wieder: neonfarbene Pfeile, die mir den Weg weisen. Ich stehe auf und laufe den Pfeilen nach. Kurz abgebogen um eine Ecke, komme ich zu einem großen Ruhebereich. Nach der Impfung wird empfohlen, sich dort etwa 15 bis 30 Minuten auszuruhen. Mitarbeiter des DRK haben ein Auge auf die Patienten; falls es einem nicht gut geht, steht Hilfe direkt bereit. An Ende des Ruhebereichs gibt es zudem einen Sanitätsbereich. Dort zeigt man abschließend noch einmal seinen Umlaufbogen vor, der überprüft wird. Wenn alles stimmt, darf man gehen.

Besuchen Sie uns wieder

Am Ende – wie einst im Supermarkt – komme ich durch die Schiebetüren wieder ins Freie. Impfrundgang zufrieden beendet, bis zum zweiten Termin!

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