Wilhelmshaven - Zeit ist Geld. Und von beidem ist im Arbeitsalltag eines Niedersächsischen Wirtschaftsministers stets zu wenig vorhanden. Seit fast 100 Tagen ist Olaf Lies Niedersachsens Wirtschaftsminister. Sein Terminkalender lässt wenig Zeit für Atempausen. Wir begleiteten den SPD-Politiker aus Sande an einem - wie er sagt - typischen Arbeitstag.

6 Uhr: Abfahrt in Sande

Der Wochenbeginn heißt Abschied nehmen. Abschied von der Familie - bis zum Wochenende. Vor der Wahl pendelte Olaf Lies fast täglich zwischen Hannover und Sande. Dies lässt der Ministerposten nicht mehr zu. Die knapp zweistündige Fahrt nach Hannover, die Lies mit seinem Privatauto bestreitet, soll zugleich die ruhigste Phase dieses Tages sein.

8.05 Uhr: Lagebesprechung

Die Schranke vor dem im Jahre 1833 erbauten Wangenheim-Palais öffnet sich. Schräg gegenüber vom Wirtschaftsministerium liegt der Landtag. Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves bewies im Auftrag des Grafen Georg von Wangenheim vor fast 200 Jahren beim heutigen Ministeriumsgebäude mehr bauliches Geschick als die späteren Bauherren des Landtags: Das riesige Büro von Olaf Lies in dem dreigeschossigen Massivbau am Friedrichswall bietet Platz für den Schreibtisch, eine schwarze Ledersitzgruppe und einen runden hölzernen Konferenztisch im Erker. Auf den Schränken liegen typische Geschenke von Besuchsterminen. Flugzeugmodelle, eine VW-Uhr, kleine Windmühlen - auch ein Bauhelm mit dem JadeWeserPort-Schriftzug sticht ins Auge.


Ein Kronleuchter über dem Tisch und die goldverzierten Balkongitter draußen verbreiten hochherrschaftlichen Glanz. Der Ausblick ist grandios, doch Zeit zum Genießen bleibt nicht. Nur Minuten, nachdem Lies eingetroffen ist, versammeln sich hochrangige Vertreter des Ministeriums am Tisch. Der Dienstälteste in der Runde ist Christian Budde, der schon unter Lies? Vorgänger Pressesprecher war. Er kennt viele Vorgänger, die das neue Team um Lies noch nach und nach kennen lernt.

Die so genannte Morgenlagebesprechung beginnt: Was stand am Wochenende in den Zeitungen, was passierte in Politik und Ausschüssen, welchen Aufgaben stellt sich das Ministerium? Lies selbst bringt zur Sprache, dass er auf der Autobahn 29 bei Varel wieder Tempo 120-Schilder gesehen hat. Eigentlich sollte es bei Tempo 130 bleiben, was sein Vorgänger Jörg Bode kurz der Wahl noch angeordnet hatte. Die Mitarbeiter notieren fleißig. Ein großes Thema dieser Woche zeichnet sich schon hier ab: Die Finanzen.

9 Uhr: Finanzberatungen

An Vorhaben mangelt es Lies und seinen Mitarbeitern nicht, wohl aber am Geld. Die Etatverhandlungen laufen. Die im Ministerium zuständigen Mitarbeiter für Finanzen lösen die Morgenlage-Runde ab. In einer knappen Stunde werden Millionen verschoben: Der Finanzminister will, dass Lies einen zweistelligen Millionenbetrag einspart. Sein Ministerium benötigt jedoch sogar noch mehr Geld. Ein Patentrezept wird am Ende nicht gefunden. Das Thema wird vertagt. Staatssekretärin Daniela Behrens und Lies wollen sich am Abend weiter beraten.