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Kultur Ein „Ya(h)redsrückblick“ der derben Art

WolfGang A. Niemann

Wilhelmshaven - Endlich wieder unterwegs nach dem Corona-Hausarrest und im Wilhelmshavener Pumpwerk fühlt sich Yared Dibaba besonders wohl. So stürmte der Plattdeutsch-Entertainer am Sonntagabend ganz in Weiß die Bühne mit dem Lied „Nu is dat so wiet“.

Ein possenhafterJahresrückblick

Neckisch hat er seine Weihnachtsshow „Ya(h)redsrückblick“ genannt und entsprechend wickelt er sie entlang des Kalenders ab und seine Band „Die Schlickrutschers“ sorgt dabei für den knackigen Sound. Da arbeitete er sich erst einmal an der Pandemie ab, die ihn so lange ausgebremst hatte, indem er Witze darüber machte.

So gebe es ja beim geliebten Grünkohl ein Problem mit dem Pupsen hinterher. Das man aber in der Öffentlichkeit gern mit einem Hüsteln überspiele. Wer seit Corona jedoch offen huste – das werde falsch verstanden! Und dann empfahl er den einfachen ländlichen Corona-Test: ein Finger in den Mund, ein Finger hinten rein. Dann tauschen – wenn’s da nach was schmeckt, hat man kein Corona.

Tanzen, Schnaps undKuddelmuddel

Doch Dibaba kam auch zum Februar und dem ernsten Thema Krieg. Ob man da trotzdem singen und tanzen dürfe? „Das müssen wir sogar“, erklärte er trotzig und sang dazu das Flüchtlingslied „Land in Sicht“ (zur Melodie von „Sweet Dreams“ von den Eurhythmics). Als Flüchtlingskind aus Äthiopien wisse er, was das heiße.

Mit „Klötenköhm“ schaltete er jedoch gleich wieder auf fröhlich. Erst erklärte er, wie dieser Eierlikör durch ein Missgeschick entstanden ist, und dann verteilte er ihn auch ins Publikum. Und wie bei dem Likör deklinierte er auch andere Begriffe durch, die auf Platt viel schöner klingen. Zum Beispiel das hochmoderne Diversity – auf Platt heiße so etwas „Kuddelmuddel“.


Ostfriesischer Überraschungsgast

Und prompt kam just in dem Moment als Überraschungsgast Annie Heger auf die Bühne und zusammen sangen sie den gleichnamigen Knaller aus Dibabas neuer CD. Seine quirlige Kollegin aus Ostfriesland hat am kommenden Donnerstag selbst auf dieser Bühne ihre Show.

An diesem Abend aber sorgte sie im zweiten Teil für einen der Höhepunkte, als sie mit Yared die plattdeutsche Liebeshymne schlechthin sang: „Dat du min Leevsten büst“.

Der Entertainer erzählte im Übrigen auch von eigenen Erfolgen wie der neuen Sex-Sendung. Für die habe ihn der WDR mit einem einfachen Grund als Moderator angeworben: „Wenn Sie rot werden, sieht’s man nicht.“ Und wieder schlug der leidenschaftliche Plattschnacker eine Wortänderung vor: für das böse Wort impotent. „Klötenlahm“ höre sich doch viel freundlicher an und lahm bedeute ja auch nicht „tot“.

Von Karneval bis Reggae war alles vertreten

Aber auch das Jahreszeitliche durfte bei diesem Abschluss der Weihnachtstournee im voll besetzten Pumpwerk nicht fehlen. Dazu mischte er das frohgemute Publikum mit einer anspruchsvollen Choreographie auf, bei der immerhin das Mitklatschen bestens klappte. Und dann rockte „Wiehnacht mit Sünnen Klaas“ als gemütlicher Reggae, bis „All de Johren“ im Dreivierteltakt schon fast so etwas wie Karnevalsgemütlichkeit auslöste.

Als der bestens aufgelegte Yared Dibaba schließlich mit Rolf Zukowskis Klassiker „Buten is Wiehnacht“ von der Bühne ging, spendete das begeisterte Publikum nach inzwischen fast drei Stunden abwechslungsreicher Unterhaltung einen solchen Riesenbeifall, dass er noch einmal zu einem Potpourri von Shanty-Liedern zurückkehrte.

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