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Ein Tag am Theater in Wilhelmshaven Einmal Alltag an der Landesbühne Nord, bitte!

Wilhelmshaven - Die Landesbühne, das Stadttheater, das TheOs – jeder Wilhelmshavener kennt die Kultureinrichtungen, die ebenso zu Wilhelmshaven gehören wie der Südstrand. Doch was passiert eigentlich, bevor sich der Vorhang am Abend öffnet?

Schon früh am Morgen, bevor die Landesbühne überhaupt richtig erwacht ist, zieht das Theaterstück „Watt schön!“ an diesem Tag los in Richtung Bunde für die Aufführungen in der dortigen Oberschule am Vormittag.

Um 10 Uhr kommt dann langsam Leben in die Bude: „Willkommen zur berüchtigten Wittmundprobe“, begrüßt Olaf Strieb die Schauspieler des Musicals „Anatevka“ auf der Bühne, „das wird die trubeligste Probe von allen“. Berüchtigt sind diese Proben kurz vor einer Premiere nicht ohne Grund.

Als Landesbühne spielt das Theater auf der gesamten ostfriesischen Halbinsel – auch in Wittmund. Die kleinste Spielstätte hat nur 271 Plätze und auch die Bühne ist wesentlich kleiner. Um auf solche Bühnen vorbereitet zu sein, simuliert das Landesbühnen-Team diese kleinste Bühne im Stadttheater. Wie von Strieb vorhergesehen, kommt es zwischen den Schauspielern während der Probe zu ungeplanten Begegnungen, Stolpereien und Kuscheleinheiten. Trotzdem meistern die Schauspieler die Probe großartig.

Parallel findet im TheOs am Bontekai die Bauprobe zu „Die besten Beerdigungen der Welt“ statt. Das Stück für Grundschulkinder, nach einem schwedischen Kinderbuch, das sich auf einfühlsame und humorvolle Weise mit dem Tod beschäftigt, wird Regisseurin Lisa van Buren ab Mitte März für die Junge Landesbühne (Julabü) inszenieren. Premiere ist am 24. April, jetzt wird das Bühnenbild geplant.


Zuständig für Bühne und Kostüm ist Gabriela Neubauer. Zur besseren Visualisierung baute sie ein Modell, das das spätere Bühnenbild darstellen soll und erstellte aus alten Requisiten ein großes Bühnenbild.

Gemeinsam mit der technischen Abteilung, der Regie, dem Malsaal und der Requisite plant Neubauer drauf los: Was ist möglich? Was ist notwendig? Wie wird etwas umgesetzt? Dabei geht es neben der Anzahl von Gummifischen und der richtigen Ketchupfarbe auch darum, aus welchem Material der meterhohe Baum bestehen soll. Schließlich muss das komplette Set jederzeit abgebaut, transportiert und in anderen Städten wieder aufgebaut werden.

Ein Stück weiter als Regisseurin Lisa van Buren ist Jochen Strauch in einem der Proberäume der Landesbühne. Der Regisseur befindet sich in der zweiten Probenwoche zu Henrik Ibsens Klassiker „Gespenster“. Die Premiere ist für den 26. Februar angesetzt und die Schauspieler und Regisseur Strauch gehen die Proben mit Humor an. Montags bis samstags proben die Schauspieler jeweils von 10 bis 14 Uhr und von 19 bis 22 Uhr – Ausnahmen gibt es dann, wenn die Schauspieler Aufführungen haben. Denn jedes Ensemblemitglied spielt pro Spielzeit in vier bis fünf Produktionen. Das ist auch notwendig. Jedes Jahr gibt es 17 Premieren und nur knapp 20 festengagierte Schauspieler, hinzu kommen Gastschauspieler. Allein für „Anatevka“ stehen zeitgleich 25 Personen auf der Bühne.

Während die Profis Probenpause haben, proben die Laien-Spielclus auf den Probebühnen im Stadttheater. Die Landesbühne hat drei Spielclubs: den Youngstersclub für Kinder ab 11 Jahren, den Jugendclub ab 15 Jahren und die Bürgerbühne für Erwachsene.

Ab 18 Uhr sind die Berufsschauspieler wieder am Zug: Es steht eine „Alles mit allem“-Probe auf dem Tagesplan – „Anatevka“ probt mit Maske, Kostüm, Licht – und zugleich ist es die Fotoprobe, bei der die Inszenierungs- und Pressebilder während der laufenden Probe geschossen werden.

Das sind die Gewerke der Landesbühne

Die Landesbühne Niedersachsen Nord besteht bei Weitem nicht nur aus Schauspielern – rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an der Landesbühne beschäftigt. Neben der Verwaltung zählen vor allem künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten zu den Berufsfeldern. So finden sich hinter den Kulissen der Malsaal und die Maske – die sogenannten Gewerke.

In der Maske herrscht parallel zu den Proben reges Treiben. Für „Jedermann (stirbt)“ stellt Isabella Sölter zurzeit einen Bart her.

Als eine von sechs Maskenbildnerinnen ist es ihr Job, den Schauspielern dabei zu helfen, sich besser in die Rolle hineinzuversetzen. Dabei arbeitet sie an allem, was zur Gestaltung des Gesichtes und Kopfes beiträgt. Für den Bart für „Jedermann“ wird sie etwa 25 Stunden benötigen, für eine ganze Perücke sind es 40 bis 60 Stunden. Dabei sind Herrenperücken zeitaufwendiger, weil sie häufig einhaarig geknüpft werden. Bei Damenperücken werden mehr Haare auf einmal in die Masche geknüpft. Dadurch ist sie schneller fülliger und man benötigt nur jede dritte bis vierte Masche mit Haar.

Die drei Tischler der Landesbühne haben ebenfalls immer etwas zu tun. Alles wird selbst angefertigt und muss spätestens zwei Wochen vor Premiere fertig sein.

Dabei laufen immer mehrere Projekte zeitgleich. Während an einem frisch gearbeitet wird, muss an dem aktuellen vielleicht noch der letzte Feinschliff gemacht werden.

Im Malsaal ist Jule Schuster Herrin des Hauses. Zwischen meterhohen sowie -breiten Bühnenbildern und hunderten Farbtöpfen, arbeiten sie und ihr Kollege Lahoucine Boujerfaoui auch an den Plakaten und Bannern für die anstehenden Aufführungen – aus freier Hand versteht sich.

Alina Zacher
Alina Zacher Volontärin, Wilhelmshavener Zeitung
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