WILHELMSHAVEN - Manche wissenschaftliche Fachtagungen sind so bedeutsam wie ihr Anlass historisch ist. In Wilhelmshaven ist das gerade der Fall, wo sich seit Sonntag Wissenschaftler aus der ganzen Welt über das Periodensystem austauschen – seit 150 Jahren ist diese Systematik aus der Chemie nicht mehr wegzudenken. Das Periodensystem enthüllt die Verbindung zwischen der atomaren Struktur der chemischen Elemente und ihren Eigenschaften. Es erklärt ihr Bindungsverhalten, verrät den Aufbau ihrer Atomhülle und gibt sogar Rückschlüsse darüber, wie noch nicht entdeckte Elemente beschaffen sein könnten. Bis heute ist das Periodensystem daher der wichtigste Wegweiser der Chemie.
Im Jahr 1869 schufen der russische Chemiker Dmitri Mendelejew und der deutsche Chemiker Lothar Meyer fast zeitgleich das Periodensystem der Elemente. In Erinnerung daran und an die Bedeutung dieser Methodik hat die Unesco das Jahr 2019 zum Jahr des Periodensystems erklärt – Anlass genug für die hochkarätige Konferenz zur Chemie und Physik der schweren Elemente (TAN) in Wilhelmshaven. Entdecker ganz neuer Elemente gaben am Montag im Pressegespräch im Atlantic Hotel aktuelle Einblicke in das Forschungsgebiet.
Heute dient das Periodensystem vor allem der Übersicht, historisch gesehen war es aber für die Vorhersage für Entdeckungen neuer Elemente und deren Eigenschaften bestimmt. Aktuell sind 118 Elemente im Periodensystem der Elemente verzeichnet – 92 davon kommen auf der Erde natürlich vor. 'Die Elemente werden nach ihrer Ordnungszahl in die Gruppen des Periodensystems einsortiert. Elemente mit ähnlichen chemischen Eigenschaften stehen untereinander. Bei neuen künstlichen Elementen bedarf es natürlich der Klärung, welche Eigenschaften sie haben und ob sie sich ebenso in diese Gruppe einordnen oder ob die Kernladung in diesen exotischen Atomen die Elektrohülle durcheinanderwirbelt und dadurch zu unerwarteten chemischen Eigenschaften führt', erklärte Professor Christoph Düllmann, Mitorganisator der TAN.
Die Erzeugung weiterer neuer Elemente kann mithilfe von Teilchenbeschleunigungen durch Verschmelzung bestehender Elemente erfolgen. Dazu lassen die Forscher einen Strahl aus Atomkernen auf eine Materialprobe eines anderen Elements prallen. In der Fusion der Atomkerne beider Elemente kann dann ein neues, schweres Element entstehen. Eine Anerkennung und Aufnahme eines neuen Elements ins Periodensystems erfolgt, sobald der Nachweis als gesichert eingestuft ist.
