Wilhelmshaven - „Wir haben Sorge, bald vor leeren Klassenzimmern zu sitzen.“ Das sagte Gabi Kurth, didaktische Leiterin der Franziskusschule, im Schulausschuss. Sie machte eindringlich klar, dass die zwei kommenden fünften Klassen (52 Plätze) an der katholischen Oberschule nicht mehr aufgefüllt werden könnten, sollte die aktuelle Konfessionsvorgabe nicht gelockert werden.
Quoten-Regelung lässtdie Schülerzahl sinken
Weil es sich bei der OBS Franziskusschule um eine von der Kirche getragene Konkordatsschule handelt (siehe Seite 1), müssen laut niedersächsischem Schulgesetz 70 Prozent der Schüler katholisch sein. Da es in Wilhelmshaven aber nur gut zehn Prozent Katholiken gibt, hat der Rat der Stadt 2017 eine Ausnahmeregelung beschlossen, wonach 50 Prozent der Schülerschaft nicht-katholisch sein dürfen.
Doch auch diese Quote lasse sich nicht mehr halten, sagt Kurth. Um dem eigenen Anspruch, eine Schule für alle zu sein, wäre es ideal, die Quotenregelung ganz abzuschaffen, was sich aber mit dem Status der Konkordatsschule nicht vereinbaren lasse. „Es würde schon helfen, wenn wir wenigstens 60 Prozent der Klassen mit nicht-katholischen Schülern auffüllen könnten.“
Entscheider steckenin einem Dilemma
Das zu entscheiden, liegt allerdings in der Verantwortung des Rates und des vorgelagerten Schulausschusses. Und die stecken in einem Dilemma: Bleibt die aktuelle Quotenregelung, kann die Schule keine Zweizügigkeit mehr gewähren. Schlimmstenfalls könnte der Bischof darüber nachdenken, sie komplett in den Verantwortungsbereich der Kirche zu führen, so Uwe Kathmann, Vorstand der Schulstiftung St. Benedikt (Schulträger).
Wird die Quote indes weiter gelockert, wächst gleichzeitig die Konkurrenz mit den anderen drei Oberschulen und der IGS. Die Marion-Dönhoff-Schule und die OBS-Stadtmitte haben bereits Befürchtung geäußert, es könne dann zu einem „Abschöpfen von Realschülern“ durch die Franziskusschule kommen. Auch die IGS zeigt sich kritisch, während die OBS-Paul-Hug-Straße noch abwägt.
Franziskusschule weist Kritik zurück
Gabi Kurth hält diese Befürchtungen allerdings für falsch. Gleiches gelte für das Klischee, die Franziskusschule könne sich ihre Schüler aussuchen, würde deshalb die leistungsstarken haben. „Wir nehmen jedes katholische Kind, das angemeldet wird, auch auf. Es spielt keine Rolle, wie das Zeugnis aussieht“, betont die didaktische Leiterin. Erst danach könne man, gemäß der Vorgaben, nicht-katholische Kinder aufnehmen.
Aus diesem Bereich gebe es außerdem sehr viel mehr Interessenten als Plätze zur Verfügung stehen, weshalb die Franziskusschule immer wieder einer erheblichen Zahl von Schülern beziehungsweise deren Eltern absagen müsse.
Angesichts der religiösen Vielfältigkeit und einer wachsenden Konfessionslosigkeit hält Kurth die enge Verknüpfung an Glaubensfragen für nicht mehr zeitgemäß. Es dürfe bei der Wahl der Schule doch nicht auf den Stempel in der Taufurkunde ankommen. Zudem sei es diskriminierend, wegen einer Quote nicht-katholische auszuschließen.
Den Redebeiträgen aus Reihen der Schule schloss sich eine rege Diskussion im Ausschuss an. Die Verwaltung habe sehr bewusst keine Beschluss-, sondern zunächst eine Informationsvorlage in den Schulausschuss eingebracht, hatte Wilhelmshavens Erster Stadtrat Armin Schönfelder zu Beginn der Sitzung betont. Er erwarte auch kritische Stimmen. Die gab es – bis hin zur Frage, ob es überhaupt noch konfessionelle Schule geben müsse.
Schulausschuss sollim März beschließen
„Jetzt habe allen Fraktionen das Thema mitgenommen, um zu beraten“, sagt der Ausschussvorsitzende Martin Ehlers (CDU). Zu nächsten Sitzung soll dann eine Beschlussvorlage folgen.
