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Karte statt Scheine Ist Bargeld überhauptnoch zeitgemäß?

Malte kirchner

Wilhelmshaven/Friesland - Immer mehr Menschen zahlen per Karte oder digital. Trotzdem können sich Bankenchefs in der Region eine Welt ohne Bargeld im Moment nicht vorstellen. Im Gespräch mit der WZ erläutern sie, warum sie trotz des immensen Aufwands und der Kosten weiterhin eine Existenzberechtigung des Zahlungsmittels sehen.

Ist die Zeit reif?

Holger Sothmann. Foto: WZ-Bilddienst

Holger Sothmann. Foto: WZ-Bilddienst

Laut des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Wilhelmshaven, Holger Sothmann, wäre eine vollständige Digitalisierung des Geldes ein deutlicher Wandel, den er im Moment nicht kommen sieht. Bargeld ermögliche es, bis zu bestimmten Grenzen anonym zu zahlen. Dies werde von den Kundinnen und Kunden immer noch wertgeschätzt, weshalb die Sparkasse über ihr Automatennetz und ihre Kassenzeiten umfassend Bargeld zur Verfügung stellt.

Michael Engelbrecht, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Jever, hält es seit seiner Bankausbildung mit dem Zitat des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski: „Geld ist geprägte Freiheit.“ Bargeld sei in Deutschland Emotion. Aber es sei eben für viele Menschen mit Blick auf den heutigen Weltspartag nach wie vor auch Wertaufbewahrungsmittel und in manchen Situationen auch praktisch, etwa beim Kauf eines Geschenks, das als Überraschung geplant ist und folglich nicht in Kreditkartenabrechnungen auftauchen soll.

Der Wandel ist im Gange

Michael Engelbrecht. Foto: WZ-Bilddienst

Michael Engelbrecht. Foto: WZ-Bilddienst

Trotz des Respekts für die Entscheidung des Individuums machen die Bankmanager keinen Hehl daraus, dass sie den Trend zur Karte und digitalen Zahlungen grundsätzlich befürworten. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend deutlich verstärkt, da der Handel erstmals auch offensiv dazu ermunterte, kontaktlos zu bezahlen. Viele Kundinnen und Kunden seien dadurch erst mit den modernen Zahlungsmethoden in Berührung gekommen und Gewohnheiten haben sich geändert.

Laut einer Umfrage der Bundesbank haben 21 Prozent der Befragten während der Corona-Pandemie erstmals kontaktlos gezahlt. Insgesamt sei die Zahl der Kartenzahlungen deutlich angestiegen. Die Hinweisschilder, die Bitte des Kassenpersonals und das Vorbild anderer waren maßgebliche Gründe. Michael Engelbrecht, der privat auch am liebsten kontaktlos zahlt, spricht deshalb in seiner Freizeit das Kassenpersonal auch an und ermuntert dazu, Kunden auf die Möglichkeit hinzuweisen. Laut Holger Sothmann verzeichnet die Sparkasse beim mobilen Zahlen per Smartphone ein stetig zunehmendes Interesse. Gerade jüngere Menschen tragen eher das Smartphone als ihr Portemonnaie bei sich. Die größte Hürde sei es für viele, den Schritt der Freischaltung zu gehen.


Bargeld hat einen hohen Preis

Weniger ist mehr?

Wenn das Bargeld weniger eine Rolle spielt, werden die Kosten hierfür weiter steigen. Damit die Rechnung auch in Zukunft aufgeht, gibt es verschiedene Überlegungen. Michael Engelbrecht tritt dafür ein, das Münzgeld abzuschaffen. Kleinbeträge könnten komfortabler kontaktlos gezahlt werden. Zahlungen mit Geldscheinen würde er bis zu einer Höhe von 10.000 Euro deckeln. Die Europäische Zentralbank hat ohnehin schon die Produktion des 500-Euro-Scheines eingestellt. Dass mancherorts sogar noch Immobilien komplett bar bezahlt werden, hält er für absurd.

Auch Holger Sothmann hält es für sinnvoll, die Rolle der Münzen zu überdenken. In einigen Ländern wird zumindest bereits auf 1- und 2-Cent-Münzen verzichtet. Das reduziere die Kosten und ermögliche es, Bargeldzahlungen dauerhaft zu ermöglichen.

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