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Bilanz nach zweitem Sturm „Zeynep“ sorgt für Dauereinsatz bei den Einsatzkräften in der Region

Lokal26

Wilhelmshaven/Friesland/Ostfriesland - Neben dem tosenden Wind waren vorige Nacht häufig Sirenen von Einsatzfahrzeugen zu hören. Tatsächlich sorgte Sturmtief „Zeynep“ für eine unruhige und arbeitsreiche Nacht bei den Einsatzkräften in der Region.

Mehr als 200 Einsätze in Wilhelmshaven

In der Jadestadt wurde die Spitzengeschwindigkeit von „Zeynep“ nach 23 Uhr gemessen. Der Sturm war dann mit 110 Kilometern pro Stunde unterwegs. Am Ende der Sturmnacht gebe es zahlreiche Sachschäden zu verzeichnen, heißt es in der ersten Bilanz der Verwaltung. Verletzte Personen sind der Stadt nicht bekannt. Mehr als 220 Mal rückten die 127 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven und Freiwilligen Feuerwehren Bant-Heppens, Fedderwarden, Sengwarden und Rüstringen insgesamt wegen des Extremwetters aus.

Bereits Freitagmittag ging der erste sturmbedingte Einsatz bei der Gemeinsamen Leitstelle Friesland-Wilhelmshaven ein. Doch besonders ab 19 Uhr „klingelten die Telefone geradezu im Minutentakt“, so Stadtpressesprecherin Julia Muth. Anwohner meldeten zahlreiche umgestürzte Bäume und runtergefallene Dachziegel. Auf der Straße „Ziegenreihe“ in Fedderwarden machte sich eine Gartenlaube selbstständig. An der Gökerstraße ging ein Buswartehäuschen zu Bruch und auf der Kurt-Schumacher-Straße und in der Ebkeriege fielen jeweils Ampelanlagen dem starken Wind zum Opfer.

Die größten Gefahrenstellen sicherte die Feuerwehr in der Nacht mit ihren 14 Einsatzfahrzeugen ab. Ab Samstagvormittag werden die Einsatzkräfte nun gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) weiter an der Beseitigung und Sicherung arbeiten. Deswegen war laut Stadt mit Behinderungen im Straßenverkehr zu rechnen. Außerdem warnt die Stadt Wilhelmshaven weiterhin davor, die Parkanlagen zu betreten, da gerade von Bäumen immer noch eine Gefahr ausgeht. Die Straße „Zum Ölhafen“ ist weiterhin gesperrt, die Weichselstraße zum Teil gesperrt.

Die Sturmschäden zu beseitigen und zu sichern dauerte bis in den Mittag hinein. Währenddessen sorgten die DRK-Bereitschaft Wilhelmshaven mit ihrer Verpflegungsstation für eine Stärkung der Helferinnen und Helfer. „Um 13 Uhr wurde der Großteil der ehrenamtlichen Einsatzkräfte schließlich in den wohlverdienten Feierabend geschickt“, teilte die Stadtpressesprecherin mit. Wilhelmshavens Oberbürgermeister bedankt sich in der Mitteilung bei den Einsatzkräften: „Die Einsatzkräfte haben in diesem 20-stündigen Dauereinsatz Großartiges geleistet“, so Feist. „Dafür danke ich allen, die bei der Bewältigung dieses Extremunwetters geholfen haben, von ganzem Herzen! Ich bin von der Professionalität und dem hohen persönlichen Engagement aller Einsatzkräfte tief beeindruckt und stolz auf diese Gemeinschaftsleistung!“


Alle Feuerwehrhäuser in Wittmund im Einsatz

Im Landkreis Wittmund waren ab etwa 19.30 Uhr alle 24 Feuerwehrhäuser besetzt, berichtet der Kreisfeuerwehrverband Wittmund in den Sozialen Netzwerken. Die Einsätze wurden zentral von der Leitstelle direkt an die Technische Einsatzleitung des Landkreises Wittmund gesandt, die im Feuerwehrhaus Ochtersum stationiert wurde. Von dort wurden Einsätze an die jeweiligen Einsatzleitwagen der Stadt- und Gemeindefeuerwehren geleitet, die diese dann selbstständig abgearbeitet haben. Nach 20 Uhr gab es einen starken Anstieg beim Einsatzaufkommen.

Vor allem entwurzelte Bäume

Auch in Friesland hielten vor allem entwurzelte Bäume die Einsatzkräfte auf Trab. An der Jeverländischen Straße zwischen Jever und Sillenstede waren die Baumschäden beträchtlich, sagt Stadtbrandmeister Egon Onken. Die Feuerwehr sperrte die Straße gegen 2 Uhr in der Nacht auf Samstag und benachrichtigte die Straßenmeisterei für die Aufräumarbeiten.

Der erste Einsatz der Schortenser Feuerwehren führte am Freitagnachmittag auf das TCN-Gelände in Roffhausen: Der Sturm hatte ein großes Stück Dach einer Halle mitsamt Isolierung weggefegt. Die Feuerwehr räumte das Gebäude, in dem noch gearbeitet wurde, so Timm Harms, stellvertretender Stadtbrandmeister, und sperrte das Areal ab.

KURIOSE ERLEBNISSE DER HIESIGEN FEUERWEHREN Nicht alle Notrufe in der Sturm-Nacht waren Notfälle

Jörg grabhorn
Friesland

Bis 1.30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag haben die wangerländischen Feuerwehren 29 Einsätze gehabt. Überwiegend, so Gemeindebrandmeister Eike Eilers, ging es um umgestürzte Bäume.

Der Sturm zeigte auch im Stadtkern Wirkung. Beim Restaurant „Marienbräu“, Ecke Apotheker-/Steinstraße, ist Freitagnacht ein Baum umgestürzt. In einem anderen Fall beseitigte die Feuerwehr einen Baum, der halb auf einem geparkten Auto gelandet war.

Auch in der Gemeinde Sande blieb die Lage vergleichsweise entspannt. Gemeindebrandmeister Peter Hoffbauer berichtete von einem Dutzend Einsätze, bei dem Bäume entfernt werden mussten. In Tichelboe wurde die Straße wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Der Bauhof übernahm die Aufräumarbeiten. „Kniffliger“ waren zwei Einsätze in der Diekstahlstraße in Sande und beim Kindergarten in Cäciliengroden: Durch den Sturm fielen Bäume gegen Gebäude. Schwere Schäden hat „Zeynep“ auf dem Friedhofsgelände in Sande angerichtet. Im „Wäldchen“ ist ein Baum über den Graben hinweg auf ein Grundstück gekippt, traf aber zum Glück nur die Hecke.

In Accum ist ein Dachdecker verunglückt. Weitere Menschen sind durch den Orkan nicht zu Schaden gekommen.

Mitunter war es allerdings knapp: Auf der L 808 zwischen Neugarmssiel und Carolinensiel ist am Freitag gegen 19.30 Uhr ein Autofahrer gegen einen Baum gekracht, der unmittelbar vor ihm auf die Straße gestürzt war. Kaum waren die Einsatzkräfte vor Ort, kippten zwei weitere Bäume um, berichtet Eike Eilers, Gemeindebrandmeister im Wangerland.

Besonders die Ostfriesischen Inseln wurden schwer getroffen

An der Küste wurden Windgeschwindigkeiten bis 162 Stundenkilometer (km/h) gemessen (Leuchtturm „Alte Weser“). Auf Wangerooge waren es 139 Stundenkilometer. Alles über 120 km/h ist Orkanstärke.

Besonders schwer getroffen hat „Zeynep“ die Ostfriesischen Inseln. Wangerooge hatte bereits bei den vergangenen Stürmen einen Großteil seines Badestrandes verloren. „Nun sind auf einem Kilometer Länge mehr als 90 Prozent des Strandes weg“, sagt Bürgermeister Marcel Fangohr. Ähnlich ist es auf Langeoog: „In Teilen ist gar kein Strand mehr da, die Abbruchkante geht bis zu den Dünen“, so Bürgermeisterin Heike Horn. Dabei hatten die Inseln noch Glück, weil der Orkan vorwiegend aus West kam, nicht aus Nordwest. Und: Auf Wangerooge ist die Flut „nur“ zwei Meter über dem Mittleren Hochwasser aufgelaufen. „Weit entfernt von früheren Höchstständen“, erklärt Fangohr.

Im Landkreis Aurich zählte die Feuerwehr bis Samstagmittag 800 Einsätze – „ein historischer Wert“, betont ein Feuerwehr-Sprecher.

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