Wilhelmshaven/Göttingen - Verliert das Klinikum Wilhelmshaven seinen Status als Akademisches Lehrkrankenhaus? Wie ein Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) auf WZ-Anfrage bestätigte, hat das Universitätsklinikum den entsprechenden Vertrag zum 18. Mai 2020 gekündigt.
Gegenstand der Kooperation, die seit rund 30 Jahren läuft, ist in erster Linie die praktische Ausbildung junger Mediziner, die in Göttingen studieren und ihr Praktisches Jahr in Wilhelmshaven absolviert haben. Das Praktische Jahr ist der letzte Abschnitt des Medizinstudiums. Insgesamt müssen dabei zwölf Monate praktische Tätigkeit in einer Universitätsklinik oder einer von der Universität anerkannten Klinik abgeleistet werden.
Offenbar ist das Interesse des Mediziner-Nachwuchses an einer Stippvisite in dem über 330 Kilometer entfernten Krankenhaus an der Nordseeküste gesunken. Nach den Worten von Stefan Weller, Pressesprecher der UMG, werden die 20 Lehrkrankenhäuser der Göttinger alle drei Jahre nach unterschiedlichsten Kriterien überprüft. Dabei habe sich jetzt herausgestellt, dass auch aufgrund der großen Entfernung nur wenige Studierende ihr Praktisches Jahr im Klinikum Wilhelmshaven absolvieren. Da Kliniken in Göttingen, aber auch in Paderborn und Hildesheim, inzwischen deutlich mehr Praktikanten aufnähmen, wolle das UMG die Zusammenarbeit mit diesen Häusern intensivieren. Disharmonien mit dem Klinikum Wilhelmshaven habe es nicht gegeben.
Reinhold Keil, Geschäftsführer des Klinikums Wilhelmshaven, bedauert die Kündigung des Vertrages. Das Praxisjahr gilt in Zeiten von Ärztemangel als gute Chance, junge Mediziner auf Dauer an das Haus zu binden und für die Region zu gewinnen. Auch wenn man die Hoffnung auf eine Vertragsverlängerung mit der UMG noch nicht ganz aufgegeben habe, laufe die Suche nach Alternativen. Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Here Folkerts, führe unter anderem Gespräche mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch zu einer Klinik in Riga (Lettland) gebe es Kontakte.
Das UMG rät den Wilhelmshavenern, Verhandlungen mit der European Medical School (EMS) in Oldenburg aufzunehmen, die gerade ihre Studienanfängerzahlen verdoppelt hätten. Weller: „Die EMS hatte sich mit diesem Wunsch bereits bei uns gemeldet.“
