Wilhelmshaven - Die sogenannte häusliche Gewalt hatte der Präventionsrat Wangerland (PRW) zum Thema einer öffentlichen Gesprächsrunde in Hohenkirchen gemacht. Dazu konnte PRW-Vorsitzende Renate Janßen-Niemann viele Vertreter von Vereinen und sonstigen Institutionen begrüßen, die auch mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten.

Als Referentinnen hatte der PRW Petra Schrecker-Steinborn, Sonderpädagogin bei der Wilhelmshavener Kinderhilfe WiKi, Antchen Harms vom Frauen- und Kinderhaus Wilhelmshaven-Friesland und dessen Leiterin Susanne Seewe sowie Claudia Rieken vom Landkreis Friesland eingeladen, die dort als Frontfrau der Jugendhilfe fungiert.

Mit dabei war auch Ingo Weber von der örtlichen Polizei, der eingangs auf 17 000 Fälle im Jahr 2010 in Niedersachsen verwies, in denen die Polizei einschreiten musste: Wir werden tätig, bevor andere tätig werden.

Akut mit einschlägigen Fällen befasst sich auch Dr. Thomas Fuchs, Amtsarzt des Landkreises. Hier seien es dann aber häufig eher schwere psychische Traumatisierungen, die auffällig geworden sind. Ohnehin sind das Bemerken und das Eingreifen die entscheidenden Schritte zur Hilfe. Zeichen von häuslicher Gewalt seien aber nicht immer offene oder verdeckte körperliche Merkmale. Gerade bei häuslicher Gewalt zwischen den Eltern gebe es oft genug blaue Flecken auf der Seele.

Susanne Seewe sprach von Symptomträgern und WiKi-Vertreterin Schrecker-Steinborn nannte es Verdeckungsstrategien, mit denen die Kinder oft genug häusliche Drangsale überspielen. Wenn sich ein Kind dann öffne, müsse diese Vertrauensbasis unbedingt durch Zuhören erweitert werden, aber auch professionelle Hilfe hinzugeholt werden. Die PRW-Vorsitzende Janßen-Niemann hob als wichtiges Signal gegenüber dem betroffenen Kind hervor, ihm klarzumachen: Ich glaube dir.


Jugendhelferin Rieken schilderte das sehr schnelle Reagieren in akuten Fällen. Dafür gebe es einen 24-Stunden-Notdienst, der auch an Wochenenden über die Feuerwehrtechnische Zentrale in Jever zu erreichen sei. Gerade im ländlichen Bereich mit teils abseits wohnenden Familien fielen Probleme häufig weniger auf.

Falls doch, sollten auch hier mögliche Fälle von Kindeswohlgefährdungen sofort gemeldet werden. Dies kann anonym geschehen. Das Öffentlichmachen sei wichtig, um die Linie der Gewalt zu unterbrechen, während das Frauen- und Kinderhaus eher unbürokratische Soforthilfe leistet.

Zur Sorge von Kindern, im schlimmsten Fall aus der Familie genommen zu werden, erklärte Ute Janssen vom Jugendamt des Landkreises, dass Eingriffe in das Sorgerecht nur übers Gericht erfolgen. Im Übrigen stieß ihr Angebot von Fortbildungsmaßnahmen zum Thema auf große Zustimmung. Einig war sich die Versammlung über den Wert von Präventionsarbeit, also bevor etwas passiert, und Dr. Fuchs konstatierte: Manch einer würde mehr Zivilcourage zeigen, wenn er wüsste, wie es geht!