Wilhelmshaven - Es ist der 16. und zugleich letzte Tag, an dem Aziz Elgart am Motiv des großen Wandbildes (Mural) am Rande des ehemaligen C&A-Geländes malt. Gute zwei Wochen ist er dabei, immer alleine. Zum Finale aber hat er einen Helfer an seiner Seite. Michael Diers, Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF), die auch den Auftrag für das Mural erteilt hat, greift selbst zum Pinsel. „Die WTF und Aziz arbeiten schon seit zwölf Jahren zusammen. Als er mich gefragt hat, ob ich heute nicht mitmachen möchte, war ich sofort dabei.“
Urheber hat Motiv persönlich freigegeben
Allzu groß ist die Herausforderung für Diers zum Glück nicht. Er muss ein paar bunte Linien ziehen, einen Lichtstrahl, der durch ein Prisma in seine Spektralfarben zerlegt wird. Das Motiv ist weltberühmt, stammt vom Plattencover von Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“, das einst vom Briten Aubrey Powell von der britischen Grafik-Schmiede Hipgnosis geschaffen wurde. Von ihm stammt auch die Vorlage des kompletten Wandbildes. Er hatte es für die Biografie (“Inside Out“) von Nick Mason, Gründungsmitglied und Drummer von Pink Floyd, entworfen und persönlich für die überdimensionale Adaption an der Wilhelmshavener Hauswand freigegeben. „Ich habe Aubrey jeden Tag ein Foto vom Fortschritt geschickt. Und er ist echt begeistert vom Ergebnis. Er hat mir sogar gesagt, dass es seines Wissens weltweit kein größeres Pink Floyd-Motiv gibt.“
Wetter und Zeit bereiten Probleme
Während der WTF-Geschäftsführer zum Finale „nur“ ein paar bunte Linien an die Fassade malen muss, hat Elgart seit gut zwei Wochen auf künstlerisch ganz anderem Niveau gearbeitet. Von der großen Farbrolle, über den Kompressor bis zum filigranen Pinsel ist alles zum Einsatz gekommen. „Die Details sind mir immer ganz wichtig“, sagt Elgart. „Das klappt oft nur mit einem feinen Pinsel.“ Auch wenn er mit 16 Tagen Malzeit zufrieden ist, wäre er gerne etwas schneller gewesen. Seine Detailverliebtheit sei aber nicht der Grund für die Verzögerung. „Die habe ich ja immer.“
Ausgebremst haben den gebürtigen Marokkaner zum einen das Wetter, zum anderen die Zeit. Dass sich bei Regen nicht malen lässt, erklärt sich von selbst. Aber was meint er mit Zeit? „Ich hatte ganz viele Gespräche mit den Leuten, die hier vorbeigekommen sind. Ich freue mich immer, wenn die Menschen mich etwas fragen. Das zeigt auch das Interesse an meiner Arbeit. Aber natürlich kann ich dann nicht gleichzeitig weiterarbeiten“, sagt er lachend. Um sich nicht zu oft ablenken zu lassen, habe er über Kopfhörer Musik gehört – von Pink Floyd. „Ich kannte die Band vorher gar nicht. Aber mir gefällt die Musik sehr gut.“
Ein weiterer „Zeitfresser“ sei der eigene Anspruch. „Wenn ich mit einem Ergebnis mal nicht zufrieden bin, dann mache ich es eben noch einmal neu.“ Zudem sei seine kleine Tochter gerade eingeschult worden. „Ich bringe sie morgens zur Schule und hole sie am Nachmittag ab. Und manchmal war sie auch ein bisschen traurig. Dann habe ich früher Feierabend gemacht.“
Apropos Feierabend: Die Tage werden wieder kürzer, es wird früher dunkel. „Ich habe versucht, mit einer Lampe zu arbeiten. Aber mit künstlicher Beleuchtung funktioniert es nicht, ich brauche Tageslicht.“ So dauerte es am Ende 16 Tage, um das Motiv auf die Fassade zu kopieren.
Ganz fertig ist das Mural aber trotzdem noch nicht. Es bekommt direkt am Rand noch einen weißen Ansatz, dann folgt eine schwarze Umrandung, vergleichbar einem schwarzen Bilderrahmen mit weißen Passepartout. „Dieser Hintergrund wird dauern“, prognostiziert Elgart.
Bei der Arbeit neuen Auftrag erhalten
Zu lange sollte das allerdings nicht sein, denn der Künstler hat während seiner Arbeit am Pink Floyd-Motiv bereits einen neuen Auftrag an Land gezogen. Am Jade-Weser-Airport wird er eine Wand mit einem 3D-Motiv gestalten – natürlich ein Flugzeug.
