Wilhelmshaven - Da geben die Häuslebauer in Potenburg mehrere Hunderttausend Euro für ihr Eigenheim mit allem Drum und Dran aus, alles ist schick und tippi-toppi, und dann soll es nicht richtig sein. Die Stadt kommt und verlangt, Pflasterflächen wieder aufzunehmen, Zäune niederzulegen. Tausende Euro sind fehlinvestiert. Die Empörung ist groß. Muss man Mitleid haben?

Bedingt. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Im § 23 des Bebauungsplans für Potenburg steht beispielsweise eindeutig: Als Grundstückseinfriedungen an öffentlichen Verkehrsflächen und zu den öffentlichen Grünflächen [...] sind Zäune und Mauern nur bis zu einer Höhe von 1,00 Meter zulässig. Bis zu einer Höhe von 1,80 Meter sind Hecken aus Laubgehölzen zulässig [...]“.

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Hartmut Siefken
Wilhelmshaven

Auch die Grundflächenzahl ist eindeutig. Es nützt nichts, die Schuld dem Bauunternehmer oder dem Architekten in die Schuhe schieben zu wollen – oder gar dem Bauordnungsamt Kleinlichkeit vorzuwerfen.

Eigentum verpflichtet, lautet ein wichtiger Verfassungsgrundsatz in unserem Staat. Die Festsetzungen des Bebauungsplans haben die Bauherren in diesem Sinne in die Pflicht genommen: „Die Vorgärten im Allgemeinen Wohngebiet sind bis auf den Anteil der notwendigen Erschließung (Stellplätze, Zufahrten und Zuwegungen) zu begrünen und dauerhaft zu erhalten“, lautet die örtliche Bauvorschrift, die vom Rat der Stadt in demokratischem Verfahren beschlossen worden ist.

Ökologische Aspekte sollten berücksichtigt werden – aus gutem Grund. Warum wird denn über die Folgen des menschlichen Bau-Eifers für Natur und Klima diskutiert? Wer seinen Vorgarten dennoch komplett schwarz pflastert, hat etwas nicht verstanden. Steinwüsten heizen nicht nur das Kleinklima auf.

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Hartmut Siefken
Wilhelmshaven

Doch Potenburg ist überall. Viel zu viele Eigenheimer haben keinen Sinn für ihre Verantwortung gegenüber der Natur – und damit der Lebensgrundlage für alle. Wer keine Lust auf Gartenarbeit hat, auf Blumen und Gemüse pflanzen und Hecke scheren, wer Herbstlaub für Dreck hält, der möge sich doch bitte eine Eigentumswohnung kaufen. Den Balkon zu fegen, ist vielleicht noch zu schaffen.

Hartmut Siefken
Hartmut Siefken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung