Wilhelmshaven - Herr Schröder ist Lehrer. Er hat eine KosiNuss-Allergie, kennt Vollzeitarbeit nur vom Hören und hat ein gespaltenes Verhältnis zu seinen immer dynamischen Sportkollegen. Dafür weiß er, dass Goethe nicht „Fack ju” mit Vornamen heißt, und er kennt die Bedeutung von Alliterationen, denn Benjamin Blümchen wäre nie so berühmt geworden, wenn er Benjamin Krause heißen würde.
Videokonferenzen und Instagram sind die neue Realität
Im Pumpwerk präsentierte der ehemalige Gymnasiallehrer Johannes Schröder sein Programm „Instagrammatik“ – Das streamende Klassenzimmer”. Auch Herr Schröder tauchte in die unbekannte Welt der Hygienevorschriften ein. „Einige Kinder haben sich ja so oft die Hände gewaschen, da kam plötzlich der Spickzettel vom vorletzten Jahr wieder zum Vorschein.“ Und dabei hat er sich noch vergleichsweise gut geschlagen. „Viele meiner Kollegen dachten anfangs, eine Mailbox ist eine Box mit Mehl in der Küche.” Wobei er eigene verzweifelte Momente auch nicht verschweigt. „Wann kriege ich denn endlich die Cookies, die ich andauernd akzeptiere?”
Aber diese Zeit war auch für Erkenntnisse gut, die fast schon philosophisch klingen. So sind Videokonferenzen doch letztlich nichts anderes als pädagogische Fernwärme und Lehrer gefordert, „den aufs Smartphone gesenkten Blick in eine buchstäblich aufrechte Haltung zu wandeln’’.
Tief in die Vielschichtigkeit der Sprache geht der – inzwischen beurlaubte – Deutschlehrer schließlich, wenn er erklärt, warum Google Google heißt. „Weil man aus dem Firmennamen ein Verb machen kann.” Und Verben berühren durch die Tatkraft, die sie ausstrahlen weit mehr als Substantive, die man in den Schrank stellen und verstauben lassen kann. „‚Er kam, sah und siegte’ klingt doch viel intensiver als ‚Ankunft, Betrachtung und Erfolg’.“
Dass es sich bei Herrn Schröder um einen klassenzimmererprobten Lehrer handelt, ist spätestens dann zu merken, wenn er seine große Stärke ausspielt: Teile des Publikums – ohne dass sich einer gemeldet hätte – immer wieder mit Fragen löchern und sich jeden einzelnen Namen merken.
Improvisationstalent begeisterte Publikum im Pumpwerk
Die Zwiegespräche, die dabei entstehen, zeigen Improvisationstalent in Formvollendung. Sie sind die komödiantische Sahnehaube des Abends und machen die Schülerinnen Leonie und Marie, den Polizisten Hajo, den angehenden Lehrer Christoph und viele mehr zu den Co-Stars des Abends. Diese 120-minütige Unterrichtsstunde unterscheidet sich deutlich von allem, was die meisten mit ihrer eigenen Schulzeit verbinden, denn sie ist einfach verdammt witzig. Und spätestens wenn Herr Schröder den deutschen „Orgasmus” und seinen Imperativ („das muss”) aufs Korn nimmt, zeigt sich, wie hervorragend die Mischung aus Humor und Intelligenz funktioniert.
