Wilhelmshaven - 111 Jahre nach der Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ zeigt die Landesbühne die Neuschreibung des Stoffes mit der Fassung des Österreichers Ferdinand Schmalz: „Jedermann (stirbt)“. Die Regie führt Tim Egloff, der zuletzt in der Spielzeit 2019/2020 „Fabian. Der Gang vor die Hunde“ für die Landesbühne inszenierte. Schmalz zählt derzeit zu den meistgespielten deutschsprachigen Bühnenautoren.

„Einerseits ist Hofmannsthals ‚Jedermann‘ sehr aktuell, aber Schmalz hat etwas noch Aktuelleres daraus gemacht“, erläuterte Kerstin Car, Chefdramaturgin der Landesbühne, im Pressegespräch. In der von Schmalz geschaffenen Jedermann-Welt nimmt das Geld die Rolle des Glaubens und damit dessen ein, was den Menschen antreibt. „’Jedermann‘ befindet sich in einer teuflisch-guten Gesellschaft, er füllt sich gerne selbst die Taschen beim Spekulieren mit anderer Leute Geld, formt die Welt immer wieder zu seinem Vorteil und kennt weder Rücksicht noch Rückgrat.“

Während alles um ihn herum in Chaos versinkt, das Kriegsrecht ausgerufen zu werden droht und mit Toten zu rechnen ist, feiert „jedermann“ mit seiner Gesellschaft ein rauschendes Gartenfest – zu dem auch unbekannte Gäste kommen: Der „arme nachbar gott“ und „buhlschaft tod“. Denn „jedermann“ steht – noch ahnungslos – bereits mit einem Bein im Grab und es gilt, vorher noch einmal Bilanz zu ziehen.

Schmalz hat „Jedermann“ in die Gegenwart gehoben. Die Rolle des „knallharten, selbstherrlichen Geschäftsmannes neoliberalen Zuschnitts“ spielt der Landesbühnen-Schauspieler Stefan Faupel. „‚Jedermann‘ fühlt sich unsterblich und übermächtig. Mit diesem Gefühl zieht er seine Sache immer konsequent durch, und mit diesem Gefühl beginnt das Stück. Der Fall ist dann sehr rapide, ‚jedermann‘ fällt sehr schnell. Das wird ein Abend mit einer sehr großen Fallhöhe“, erklärte Tim Egloff.

Begeistert sind Egloff und Car von der Sprache: „Sie wird sehr treffend mit der Prallheit von Würsten verglichen, sie ist so herzhaft und zugleich doch so abgründig und sehr poetisch, musikalisch und rhythmisch.“ Egloff mag „diese Sprache auch, weil sich in ihr die Lust am Morbiden und charmante Boshaftigkeit befinden. Sie klingt mit ihrem Rhythmus nicht nur gut, sondern ist wirklich durchdrungen, und bei den Proben haben wir gemerkt, wie viel dieser Text zu geben hat.“


„Der Stoff lässt einem sehr viel Spielraum“, konnte die Kostüm- und Bühnenbildnerin Nico Zielke feststellen. Die Bühne werde zu einer Spielwiese, so Zielke. Für die Premiere am Samstag im Stadttheater gibt es noch Karten. Weitere Termine im Stadttheater: 22. und 30. März sowie 30. April, Beginn ist jeweils um 20 Uhr.