Wilhelmshaven - In den sozialen Netzwerken hat die Entscheidung der Stadt Wilhelmshaven für Aufruhr gesorgt: Bei Großveranstaltungen wie dem „Wochenende an der Jade“ oder dem „Wilhelmshaven Sailing-Cup“ soll es keine Höhenfeuerwerke mehr zum Abschluss geben. Der Grund: Als Stadt am Weltnaturerbe Wattenmeer will man sich so für den Umweltschutz einsetzen. Die Meinungen gehen auseinander: Ist ein Verbot der Feuerwerke der richtige Weg?
Pro-Kommentar von Gerd Abeldt: Wattenmeer-Schutz leben
Wilhelmshaven hat mit dem Bau des Trilateralen Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrums (TWWP) am Banter See beste Chancen, als „Hauptstadt“ des internationalen Schutzes des Nationalparks Wattenmeer wahrgenommen zu werden. Das Zentrum steht für die Kooperation von Wissenschaft und Naturschutz zwischen Den Helder in den Niederlanden bis Esbjerg in Dänemark.
Das ist eine große Chance für die Stadt, ihr Image weiter aufzupolieren – als grüne Stadt am Wattenmeer. Wilhelmshaven wird attraktiv für wissenschaftliche Kongresse zum maritimen Naturschutz, die Anziehungskraft für Menschen, die von Ebbe und Flut ebenso begeistert sind wie von Zugvögeln oder Schweinswalen wird enorm steigen
Gerd Abeldt
Wer die Chancen nutzen will, muss den Schutz des Wattenmeers auch selbst „leben“. Insofern ist es richtig, nein, längst überfällig, dass die Stadt künftig auf Höhenfeuerwerke verzichtet. Wie wir spätestens seit den Feierlichkeiten zum 150. Stadtgeburtstag wissen, lassen sich beeindruckende Illuminationen auch ohne Lärm und Dreck an den Himmel zaubern. Der Lasertechnik sei Dank.
Weitere konsequente Schritte wären der Verzicht auf Luftballonwettbewerbe oder eine Offensive gegen freilaufende Hunde in der Brut- und Setzzeit der Zugvögel. Schränken wir uns dadurch nicht selbst ein? Ja, aber es lohnt sich, weil wir nur so den einzigartigen Lebensraum vor unserer Küste bewahren können.
Contra-Kommentar von Malte Kirchner: Schuss geht nach hinten los
Ja, es gibt ein massives Problem mit Feuerwerken: Wenn zum Jahresende einige Zeitgenossen Stadtteile in Müllhalden verwandeln, Schäden und Verletzungen anrichten und sich kein Hund mehr vor die Haustür traut oder wenn im Sommer Feierwütige Raketen und Böller illegal hervorzaubern – dann hat eine große Zahl von Menschen zurecht ein Problem damit.
Der Verzicht auf zwei ordnungsgemäß abgehaltene offizielle Höhenfeuerwerke wird daran allerdings wenig ändern. Wer sich in dieser Sicherheit wiegt, der geht einem süßen Marketing-Gag auf den Leim. Die Zahl der Höhenfeuerwerke auf eines zu reduzieren, hätte vielleicht sogar eine bessere Signalwirkung entfaltet, nämlich: Genuss – aber in Maßen.
Malte Kirchner
Man erinnere sich an den Trend vor einigen Jahren, bei Jahrmarkteröffnungen nur alkoholfreie Bierfässer anzustechen, um damit dem Alkoholismus entgegen zu treten. So löblich die Absicht, so wenig messbar war am Ende die Vorbildfunktion, die davon ausging. Eher wird sich mancher Feuerwerkliebhaber ermutigt fühlen, selbst mehr Raketen in die Luft zu jagen. Dann geht der Schuss, der Umwelt zu dienen, nach hinten los.
Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens ein adäquater Ersatz gefunden wird: Einmal im Jahr das Abschlussfeuerwerk des „Wochenendes an der Jade“ zu genießen, war für viele Menschen stets ein gemeinschaftsstiftender Ankerpunkt im Jahr. Gerade in diesen Zeiten ist das ein Gefühl, das schmerzlich fehlt.
