Wilhelmshaven - Wenn Gebäude Geschichten erzählen könnten, dann wäre es interessant, dem Dreimädelhaus zuzuhören. Denn in der ehemaligen Gaststätte an der Möwenstraße fand einst ein guter Teil des geselligen Lebens Fedderwardergrodens statt. Eine, die darüber gut Bescheid weiß, ist Emma Achatz. Die 83-Jährige ist 1931 im Dreimädelhaus geboren und hat es Jahrzehnte später als Gastwirtin selbst betrieben. Eine gebürtige F'grodenerin ist sie deshalb aber nicht, denn den Stadtteil gab es noch gar nicht, als sie zur Welt kam. Erst 1940 waren die ersten Wohnungen in der von den Nationalsozialisten geplanten Siedlung bezugsfertig. In diesem Jahr feiert F'groden also sein 75-jähriges Bestehen.

1937 wurde F'groden als Nordstadt für 25 000 Einwohnern geplant - die Nationalsozialisten wollten Wilhelmshaven als Großstadt mit 500 000 Einwohnern ausbauen. F'groden war die erste Großsiedlung. Es wurden schnell viele Unterkünfte für Marine- und Werftarbeiter gebraucht. Wohl kaum ein Stadtteil spiegelte so konsequent den Zusammenhang zwischen drohendem Krieg und Stadtstruktur wie Fedderwardergroden wieder, schrieb der ehemalige Leiter des Hochbauamtes in Wilhelmshaven, Prof. Dr. Ingo Sommer, in einer Chronik zum 50-jährigen Bestehen des Stadtteils. Die Siedlungsstruktur wurde locker gehalten und mit viel Grün umgeben, um sie für Luftangriffe ungeeignet zu machen.

Kristin Hilbinger
Kristin Hilbinger Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt