Wilhelmshaven - Nie wieder nach Hause zurück und für immer zusammenbleiben, schwören sich Chiara (Wibke Quast), Carlo (Moritz Fleiter) und Marzio (Holger Spengler) am Strand und besiegeln das Versprechen mit drei Kieselsteinen. In der Nacht sind sie abgehauen von zu Hause. Das erwartete Schiff soll sie zu neuen Ufern bringen, dorthin, wo die Jugendlichen nie mehr das sein müssen, was andere wollen.
Gestern Vormittag trat die Junge Landesbühne Niedersachsen-Nord mit ihrem Stück Unterwegs von Bruno Stori im Theater am Dannhalm vor vier sechsten Klassen des Mariengymnasiums Jever auf. Die kompakte Inszenierung (Regie Natascha Kalmbach) traf den Nerv ihrer Zuschauer. Jung und dynamisch spielen die drei Protagonisten gleichsam unterschiedliche Charaktere.
Beim Übergang vom Kind zum Teenager zeigt sich bald, dass sie sich nur darüber einig sind: Frei zu sein von allen Zwängen und Vorgaben, und vor allem vor den lauten oder stummen Streitereien der Eltern. Born to be wild - das ist ihr Credo am Strand.
Die Langeweile, bis das Schiff kommt, vertreibt sich das Trio mit Zukunftsvisionen über das neue Leben, das zwangsläufig seine Grundlage in der persönlichen Reflexion findet: Wer bin ich? Wie sehen die anderen mich? In der Freiheit können alle tun und lassen, was sie wollen, lässt der Autor des Stücks einen von ihnen sagen. Doch entpuppt sich schnell, dass damit jeder etwas anderes meint.
Einig sind sie sich nur, dass sie einst ihren Kindern diese Freiheit gewähren wollen. Bis auf gewisse Einschränkungen natürlich, die für ein reibungsloses Zusammenleben unumgänglich sind. Was sie da auflisten, sind die bekannten, selbst erlebten Vorgaben und Zwänge.
Die Moral: Mit einem großen Stück neu gewonnener Freiheit durch Erkenntnis führt sie das eigene (Lebens)-Schiff wieder nach Hause. Dort haben sich indes die laut und stumm streitenden Eltern Sorgen über die Vermissten gemacht und sind gleichsam daran gewachsen.
