Wilhelmshaven - Wann ist politisches Kabarett eigentlich gut? Wenn es viel zu lachen gibt oder wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt, weil der Finger schmerzhaft direkt in die Wunden gesteckt wurde? Das ist am Ende wohl Geschmackssache, fest steht aber, dass HG. Butzko zum Auftakt des 28. Festivals der Kleinkunst beides abgeliefert hat.

Bei seinem Jubiläumsprogramm „Ach ja“ holte er weit aus, denn in 25 Jahren Bühnenpräsenz hat das Politkarussell reichlich Realsatire geliefert. Das Anfangstempo, mit dem der Kabarettist Politiker wie Kohl, Schröder oder Trittin und Themen wie Irak-Krieg, Finanzkrise oder Atomausstieg sezierte, war so hoch, dass Hirn und Lachmuskeln schwer zu synchronisieren waren. Analysen der allgemeinen Art fielen dagegen sofort auf fruchtbaren Lachboden. „So ist der Deutsche: Sitzt auf dem elektrischen Stuhl und vergewissert sich, ob der Stecker auch richtig steckt.“

Mit zunehmender Aktualität der Themen wie Klimakrise, Coronapandemie und Ukraine-Krieg hatte sich die leider überschaubare Zuschauerzahl – deshalb auch der Umzug in die Räume des Pumpwerk-Clubs – warmgelaufen und konnte den scharfen Analysen nur allzu gut folgen.

Wie schwierig ein offener Diskurs heutzutage ist, zeigte sich am „Fettnäpfchenalarm“, den Butzko mehrfach ausrief, um dann zunächst seine Standpunkte deutlich zu machen, bevor er die Gegenposition aufzeigte. Putin ist für ihn ohne jeden Zweifel ein Verbrecher, der es geschafft hat, „das ich dankbar bin, von Olaf Scholz regiert zu werden, denn in Russland wäre ich längst verhaftet worden“, und trotzdem ist dem Kabarettisten ein Blick auf die Sicht Russlands wichtig für ein vollständiges Bild. „Diplomatie ohne Empathie führt direkt in die Idiotie.“

Und auch wenn er in Corona ein gefährliches Virus sieht, dürfen für ihn die Folgen von Lockdowns und Co. nicht ausgeblendet werden. „Was ist dir lieber: Ein schönes Leben, das nicht lang ist oder ein langes Leben, das nicht schön ist? Das ist das wahre Rätsel, vor das Corona uns gestellt hat.“


Butzko kann es sich erlauben, „Advocatus Diaboli” (Anwalt des Teufels) zu spielen, denn zu jeder Zeit wurde deutlich, dass er es sich nicht leicht gemacht hat, sondern genau hingesehen und hinterfragt hat. Kein Politiker wurde verschont und so blieb bei seinem abschließenden Urteil über die politische Klasse im Land doch wieder das Lachen im Hals stecken: „Wann immer es in den letzten 25 Jahren in Deutschland brenzlig wurde, haben Politiker egal welcher Farbe vertuscht, verschleiert, verarscht ...“

Im Rahmen des Festivals der Kleinkunst wird am 23. Oktober der Comedian Stefan Danziger im Pumpwerk auftreten.