Wilhelmshaven - Im geplanten Klinikum-Neubau wird keine Babyklappe eingerichtet. Der Rat der Stadt lehnte einen entsprechenden Antrag der GUS-Gruppe am späten Mittwoch Abend mit 24 zu 10 Stimmen ab. Hinter den von Petra Stomberg (Grüne) eingebrachten Vorschlag stellten sich neben den GUS-Vertretern auch drei SPD-Ratsmitglieder. Dagegen votierten CDU/WBV, FDP/FW, die AfD, Teile der SPD-Fraktion und Oberbürgermeister Carsten Feist. Wie SPD-Fraktionschef Howard Jacques sagte, habe er die Abstimmung bei dieser Gewissensfrage für seine Mitstreiter ausdrücklich freigestellt.
Obwohl der Rat bereits das elfte kommunale Gremium war, das sich mit dem Vorstoß beschäftigte, entwickelte sich eine ausgiebige Debatte über die Frage, ob Babyklappen in bestimmten Fällen für Mütter die letzte Chance sind, ihr Baby zu retten – oder ob nicht eine anonyme beziehungsweise vertrauliche Geburt im Klinikum für Mutter und Kind die bessere Alternative ist. Befürworter und Kritiker führten eine Fülle ethischer und medizinischer Argumente an.
„Das Recht auf Leben steht über allem“
„Wir wollen Leben retten“, sagte Petra Stomberg. Dafür sei es Frauen in bestimmten Ausnahmesituationen wichtig, dass sie sich den Folgen der Geburt „völlig entziehen“ können, sagte Andreas Tönjes (Die Partei) – ebenso wie die Väter. Bei einer seit 2014 rechtlich möglichen vertraulichen Geburt in einem Krankenhaus bleiben die persönlichen Daten der Mutter zwar auch unter Verschluss, können aber unter bestimmten Bedingungen ab dem 16. Lebensjahr vom Kind erfragt werden.
Dass Menschen aufwachsen und leben, ohne zu wissen, woher sie stammen, könne für sie zur schweren psychischen Belastung werden, sagte OB Feist. Auch Dr. Lothar Preuß (AfD) pochte auf das Recht der Kinder zu erfahren, wer ihre leibliche Mutter ist.
Helmut Möhle (CDU) verwies auf den Rat von Fachleuten – auch aus dem Klinikum Wilhelmshaven –, die mit Blick auf die dann nach der Geburt unversorgten Mütter von Babyklappen abraten. Detlef Schön und Nurhayat Bakir (beide SPD) hielten dem entgegen, dass die Babyklappe als zusätzliches Angebot geschaffen werden sollte. „Das Recht auf Leben steht über allem.“
Über Angebot der vertraulichen Geburt informieren
Auf jeden Fall, so Klappen-Gegnerin Christina Heide (SPD), müsste mehr über das Angebot der vertraulichen Geburt informiert werden, damit angehende Mütter dieses Angebot überhaupt kennen. Wie Ursula Glaser (CDU) versicherte, würde im Wilhelmshavener Klinikum auch keine Schwangere abgewiesen, die gar keine Daten von sich preisgeben möchte.
Retten Babyklappen tatsächlich Leben? Verringern sie die Zahl der Kindsaussetzungen? Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht. Aber auch das Gegenteil sei nicht belegbar, hielten die Klapppen-Befürworter dagegen. Oder schafft ein entsprechendes Angebot gar erst eine Nachfrage, wie Martin Ehlers (CDU) befürchtet. Der Jurist schilderte Fälle, bei denen Müttern ihr Kind von Männern entrissen und gegen deren Willen in Babyklappen abgelegt worden seien. Eine Verbindung von Mutter und Kind sei dann später kaum noch herstellbar.
