Wilhelmshaven - Wenn am Wochenende in Sindelfingen die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften der Leichtathleten stattfinden, wird dort auch ein Wilhelmshavener am Start sein. LGW-Sprinter Till Helbig hat sich über 60 m und 200 m für die nationalen U 20-Titelkämpfe qualifiziert.

Die Marschrichtung hat Trainer Klaus Dröge, der sich mit seinem Schützling heute nach der Schule in Richtung Stuttgart aufmachen wird, auch bereits festgelegt. Erreicht der 16-Jährige am Sonnabend (Zeitvorläufe ab 14.45 Uhr) über 200 m das Finale am Sonntag, wird der 60 m-Start am zweiten Tag gestrichen.

Eine Endlaufchance ist vorhanden, rechnen darf man damit aber nicht, denn zum Teil tritt Till gegen zwei Jahre ältere Konkurrenten an, bewertet Dröge jene Hallenzeit von 22,23 Sekunden über 200 m, die den Cäcilienschüler im Feld der 33 gemeldeten Teilnehmer auf Rang 12 führt.

Ähnlich das Bild über 60 m, wo die Vorläufe in Sindelfingen am Sonntag um 10.35 Uhr angesetzt sind. Mit 7,08 Sekunden liegt Till Helbig hier im Feld der 37 gemeldeten Sprinter auf Rang 17 - auch hier wie auch über 200 m als bester Niedersachse.

Solche Meldungen allerdings könnten irgendwann der Vergangenheit angehören, wenn die Stadt die jüngst in Sachen Hallenneubau am Mühlenweg abgesegneten Pläne in die Tat umsetzt. Wie berichtet wird der drei Millionen Euro teure Neubau keinen Lauftunnel beinhalten.


Kein Bedarf und zu teuer lauteten die relevanten Stichworte auf der jüngsten Sportausschuss-Sitzung, die der LGW-Trainer enttäuscht verlassen hatte. An diesem Gemütszustand hat sich - eingedenk auch der eindtimmigen Ratsentscheidung vom Mittwoch - nichts geändert. Findet sich keine Lösung, endet für mich die Zeit als Trainer im Leichtathletik-Leistungsbereich.

Eine Zeit, die seit Mitte der 60er-Jahre zahllose Talente hervorgebracht hat. Und eine Erfolgsgeschichte, für dessen Rekonstruktion der Ex-Sportlehrer am GaM keinen Spickzettel braucht: Vize-Europameister, Teilnehmer an der Junioren-EM und WM, 14 Deutsche Meistertitel, zahllose Titel bei norddeutschen, 236 Siege bei Landesmeisterschaften - all das war Made in Germany, trainiert von Klaus Dröge.

Doch der war nicht nur Trainer für Hochspringerin Marlis Tappe, Weitspringerin Susanne Diesing oder die Sprinter Patrick Amarteifio und Rainer Schulze. Der heute 70-Jährige, der immer wieder die Schulen nach Talenten durchforstet und eine Sichtung mit einem Reaktionszeit-Messgerät auch schon mal in der Nordsee-Passage ansetzt, war auch Vollstrecker findiger Lösungen, um aus wenig möglichst viel zu machen.

So schritt Klaus Dröge seinerzeit - natürlich in Absprache mit den Verantwortlichen der Stadt - in der alten Gökerhalle mit der Flex zur Tat, um Platz für eine Weitsprung-Grube zu schaffen. Am Mühlenweg sorgte Dröge (diesmal allerdings nicht eigenhändig) für einen schmalen Durchbruch zwischen beiden (alten) Hallen. Und im Gymnasium am Mühlenweg rannte Dröge mit seinen Schützlingen aus dem Raum mit den Landkarten auf den Flur hinaus, und im alten Hallenbad an der Kieler Straße durch Kellergänge - immer auf der Suche nach einer ausreichend langen Sprintstrecke.

Einige scheinen die Notwendigkeit einer 60 m-Bahn immer noch nicht verstanden zu haben, ärgert sich Dröge. Um maximale Geschwindigkeiten zu trainieren brauche ich 20 Meter Anlauf, 30 Meter Maximalsprintweg und eine Auslaufzone, so der Coach mit Blick auf eine maximal 45 m lange Dreifachsporthalle, die Dröge auch für den Schulsport nur bedingt für geeignet hält.

Eine weitere, bislang noch nicht öffentlich diskutierte Hoffnung auf Plan B scheint unterdessen in weite Ferne gerückt zu sein. Denn ein auch für Spikes tauglicher Hallenboden - wie in der Seidensticker-Halle in Bielefeld - scheint mit Mehrkosten in Höhe von 50 000 Euro deutlich teurer zu sein als die bisher kursierenden Zahlen (15 000 Euro).

Noch allerdings will Klaus Dröge die Hoffnung nicht aufgeben. Wobei sich die nicht auf einen späteren Bau des Laufschlauchs bezieht (Illusorisch). Weiterhin hält der Coach aber einen Durchbruch zwischen der neu zu bauenden und der alten Mühlenweg-Halle für möglich. Dann wäre genug Platz für herrlich lange Sprints - und eine Flex, um ein bisschen Sand für eine Grube im Geräteraum zu schaffen, würde sich sicherlich auch finden . . .

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung