Wilhelmshaven - Jan-Hendrik Hans hat sich an das Unbekannte langsam herangetastet. Da war zunächst im Jahre 2011 in Bottrop dieser 50 km-Lauf, der sich anfühlte wie ein ganz normaler Marathon, den der 25-Jährige in 2:43 Stunden beenden kann. Doch damit begannen die Fragen: Was kommt danach? Und wie weh tut das?

Nach drei Monaten Vorbereitung mit bis zu 260 Trainings-Kilometern pro Woche und jenen 100 Kilometern am Stück, die Jan-Hendrik Hans am 6. Oktober im hessischen Rodenbach in 7:38:13 Stunden absolvierte, lässt sich sagen: Ziemlich weh. Zumindest auf den letzten 25 Kilometern, die ja immerhin auch schon mehr als einem schnöden Halbmarathon entsprechen.

Ich musste mich nach dem Rennen anziehen lassen, weil ich meine Füße nicht mehr heben konnte, erinnert sich der 25-Jährige, der sich zudem nur mühsam aufs Siegespodest schleppte, um sich als Hessenmeister und viertbester Deutscher auszeichnen zu lassen. Hans: Aber nach zwei Tagen Pause ging es eigentlich schon wieder.

Dass Ausdauersportlern in den langen Augenblicken des Wettkampfs tausend Dinge durch den Kopf gehen, kann der ehemalige LGW-Läufer nicht bestätigen. Die Gedanken kreisen bei mir eher um den Wettkampf. Ich habe in 10 km-Einheiten gedacht, von Getränkestation zu Getränkestation. Und bis zur 70 km-Marke habe ich vorwärts gezählt, anschließend rückwärts.

Das half aber nur bedingt. Denn während die ersten 75 Kilometer erstaunlich flüssig liefen und die angepeilten 7:15 Stunden in den Bereich des Möglichen rückten, ging anschließend kaum noch etwas. Jan-Hendrik Hans: Gefühlt hatte ich jeden Kilometer einen Krampf. Am Ende hat mich nur noch ein Gedanke umgetrieben: Lauf diesen Dreck zu.


Mit dem Abstand von mehr als einer Woche - und entspannt auf dem elterlichen Sofa sitzend - ist die Dramatik allerdings der Analyse gewichen. Da war wohl Unwissenheit im Spiel. Vermutlich habe ich einfach zu wenig Salz zu mir genommen. Aber so ist das: man lernt aus jedem Rennen.

Soll heißen: Jan-Hendrik Hans hat Blut geleckt auf der Ultradistanz, die vom Deutschen Leichtathletik-Verband als größte Laufeinheit noch in den Bestenlisten geführt wird.

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Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung