Wilhelmshaven - Wer nur die Ergebnisse der jüngsten Ratssitzung betrachtet, sieht große Fortschritte beim Thema Tourismus in Wilhelmshaven. Mehrheitlich wurde einem Antrag der Fraktion WIN@WBV zugestimmt, in den Jahren 2023 und 2024 1,2 Millionen Euro für Projekte aus dem Tourismuskonzept auszugeben. Zudem stellte die Stadtverwaltung einen präzisen Plan vor, welche zehn Maßnahmen aus ihrer Sicht besonders vordringlich erscheinen. Damit – so erste Reaktionen am Tag danach – lässt sich arbeiten.
Doch ganz so einfach – und vor allem: ganz so festgelegt – ist das vermutlich doch nicht. Die große Geldzusage ist nämlich erst einmal nur eine Willensbekundung des Rates. Die wirkliche Entscheidung, ob das Geld fließen kann, wird erst mit dem Haushaltsplan getroffen. Aus diesem Grunde gab Kämmerer Thomas Bruns die Empfehlung, die Eckdaten im Herbst abzuwarten, bevor eine Summe festgelegt wird. Denn schon bei anderen Themen in den vergangenen Wochen wurde klar: Der Wunschzettel ist länger als das, was nachher im Haushalt steht.
„Es ist aber richtig, deutlich zu machen, dass der Tourismus wichtig ist“, hielt Jens Stoffers (CDU) dem Antrag zugute. Die SPD unterstützte ihn vollumfänglich. Grüne und die Fraktion „Die Bunten“ warnten davor, „jetzt Pflöcke einzuschlagen“ (Ulf Berner, Grüne). Der Änderungsantrag, keine Summe festzulegen, und ein Antrag auf Vertagung fanden jedoch keine Mehrheit.
Noch mehr Diskussionen löste die Top-10-Liste der Stadtverwaltung aus. Angefangen damit, dass sich Stefan Becker (WIN@WBV) irritiert zeigte, dass der Ideengeber, Michael Diers, nicht anwesend war, ging es vor allem um die Auswahl der Projekte.
Thomas Suberg (CDU) nannte es „sehr dürftig“, dass nur zwei Punkte den Stadtnorden betreffen. Anja Mandt (CDU) beklagte, dass Sengwarden und Fedderwarden nichts abbekommen. Manuel Baruschke (SPD) zeigt sich „schockiert“ über die Kosten von einer halben Million für einen Aussichtsturm am JadeWeserPort („mit Blick auf graue Hallen“). Und Bruder Franziskus (Grüne) fragte, warum nicht ein einziges Projekt die Kooperation mit dem benachbarten Landkreis vorsieht. „Wir leben nicht in einer Insellage.“
Aber es gab auch Zuspruch: Christina Heide (SPD) lobte den Überblick inklusive Kosten. Sie hinterfragte nur, warum nicht die beiden Museumsschiffe auch als vordringlich auf der Liste stehen. Hier ist aber der Hintergrund, dass diese formell schon in der Umsetzung sind. Norbert Brandt (SPD) zeigte sich erfreut, dass Rüstersiel auf der Liste steht. Die Pläne existierten schon sehr lange und wurden bislang nicht umgesetzt.
Am Ende bleibt aber auch die Prioritätenliste erst einmal ein Vorschlag. Die einzelnen Entscheidungen liegen in der Hand des Rates. Und sie sind natürlich eine Frage der finanziellen Machbarkeit. Ob der teure Amphibienbus also jemals Land sieht, ist ungewiss – es sei denn, es findet sich ein findiger Investor, der es selbst in die Hand nimmt.
