Wilhelmshaven - Noch ist es nicht viel mehr als eine Ideenskizze, ein „Masterplan“ muss daraus erst noch werden. Der erste Schritt dazu ist aber getan: Unter prominenter Beteiligung von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat die Uniper-Kraftwerksgesellschaft Wilhelmshaven am Freitag ihre Vorstellungen für die „Zeit danach“ präsentiert. Für die Zeit nach der Stilllegung des Kohlekraftwerks im Rüstringer Groden. 46 Jahre nach der Inbetriebnahme im Jahr 1976 werden die Dampfturbinen Ende 2022 ein letztes Mal zum Stillstand kommen.

Doch damit soll nicht alles still stehen, geht es nach dem Leiter des Kraftwerks, Thomas Hohmann, und dem Bereichsleiter der Kraftwerksgruppe Wilhelmshaven, Torsten Hooke.

Zusammen mit Dr. Stefan Bockamp von Uniper aus Düsseldorf stellten sie einem großen Kreis möglicher Partner vor, wie es anschließend weitergehen könnte.

Der Uniper-Konzern wird insgesamt vier Kohlekraftwerke schließen. Da Wilhelmshaven einer der ältesten Kraftwerksblöcke überhaupt ist, sei früh klar gewesen: „Hier müssen wir was machen“, wie Stefan Bockamp sagte. Und genauso schnell habe man sich an der Jade überlegt: „Wir wollen Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.“ Gemeinsam mit regionalen Akteuren wolle man „Treiber vor Ort“ für die Energiewende sein.

Thomas Hohmann und Torsten Hooke skizzierten, wie das aussehen könnte: Uniper als Teil einer regionalen Energie-Strategie, die auf die Anlandung von Flüssigerdgas, auf Wasserstofftechnologie, auf Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik setzt. Auch mit der Klärschlammthematik – zurzeit werden Klärschlämme im Kraftwerk mit verheizt – will Uniper die Region nicht allein lassen, und wenn das Kraftwerk künftig keine Flugasche mehr an die Zementindustrie liefern werde, könnte Wilhelmshaven zum Importhafen für diesen dringend benötigten Rohstoff werden. Der Masterplan, den Uniper gemeinsam mit anderen entwickeln möchte, soll möglichst viele solcher Ideen umfassen. Ziel ist es natürlich auch, wenigstens einen Teil der rund 100 Kraftwerks-Mitarbeiter in Arbeit und in der Region zu halten.


Insgesamt, so der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Harald Seegatz, stünden an den Kraftwerksstandorten 850 bis 1000 Jobs auf der Kippe. „Wie können wir die absichern?“, das sei die Frage. Wilhelmshaven könnte zum Beispiel, so eine weitere Überlegung, die Seegatz vortrug, der zentrale Ausbildungsstandort für Metall-, Elektro- und Logistikberufe von Uniper, aber auch für andere Unternehmen werden.

Minister Olaf Lies sagte in seiner Rede, es sei ein kluger Weg, so früh zu überlegen, was sich in Wilhelmshaven weiterentwickeln könne. Die Stadt bleibe ja die Energiedrehscheibe, ihre Bedeutung werde eher noch wachsen, weil Offshore-Windenergie, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe neue Möglichkeiten eröffneten. „Wir können ja nicht nur aussteigen, wir müssen ja auch irgendwo einsteigen“, sagte Lies. Eigentlich sei das „eine Riesenchance“. Es sei ein guter Auftakt, auf diese Weise zu zeigen: „Wir stecken die Köpfe zusammen.“