Wilhelmshaven - Wegen zwei kleiner Buchstaben kann Doris Fuhlbohm richtig wütend werden. Fehlen die, werden wir Frauen unsichtbar gemacht, sagt sie. Es ist das in hinter dem Substantiv, auf das die 61-Jährige so großen Wert legt. Das mache deutlich, dass nicht nur Männer angesprochen würden. Sprache macht etwas mit uns, sagt sie - und meint damit vor allem die männliche Sprache. Die stellt die Frau in den Schatten. Und kann schnell als sexistisch und diskriminierend verstanden werden.

In der Stadt Schortens wird schon längst die Bürgerin genauso aufgeführt wie der Bürger. Da ist von Schülerinnen die Rede - und von Schülern. Dafür hat Doris Fuhlbohm gesorgt. Als Gleichstellungsbeauftragte hatte sie in den vergangenen 19 Jahren stets ein Auge auf solche Dinge. Am Donnerstag, 28. Februar, ist das vorbei. Die 61-Jährige verabschiedet sich dann in die Ruhephase der Altersteilzeit - und hinterlässt eine Lücke, die von ihrer Nachfolgerin schwer zu füllen sein wird.

Doris Fuhlbohm ist Sozialpädagogin. Sie hat in der Jugendarbeit und im Frauenhaus gearbeitet, bevor sie die Stelle in Schortens antrat. Das kam ihr im Rathaus stets zu Gute: Als niederschwelliger Ansprechpartner sei sie bei vielen Problemen die erste Wahl gewesen. So kamen Frauen zu ihr, die in einer Gewaltbeziehung lebten, eine Scheidung durchstanden oder im Alter von Armut betroffen waren. Diese Frauen brauchen mehr als Trost, sagt Doris Fuhlbohm, sie brauchen jemanden, der ihnen Wege aufzeigt, wie es weiter gehen kann, der einen Plan und ein gutes Netzwerk hat.

Doris Fuhlbohm hat all das. Und sie hat die nötige Leidenschaft, um für die ihr wichtigen Themen zu kämpfen. Die Wilhelmshavenerin kommt aus der Frauenbewegung, hat sich schon immer für die Emanzipation stark gemacht. Die Fragen sind bis heute dieselben geblieben, sagt sie. Die traditionelle Rollenverteilung mit dem Mann als Ernährer und der Frau, die sich um die Familie kümmert, werde in Westdeutschland noch immer von 50 Prozent der Menschen gelebt - mit allen daraus resultierenden Problemen. Jede zweite Ehe wird geschieden und die Frauen haben heute noch weniger Anspruch auf Unterhalt, sagt Doris Fuhlbohm. Auf dem Arbeitsmarkt warte nach Jahren zu Hause keiner mehr auf die Frauen - die Folge seien Minijobs oder schlecht bezahlte Teilzeitstellen. Dabei erwerben sie keine Rente und sind später vom Altersarmut betroffen. So seien von den Menschen, die in Friesland im Alter Grundsicherung beantragen, schon heute über 70 Prozent Frauen - Tendenz steigend.

Die große Lokomotive Gleichberechtigung steht verrostet auf dem Abstellgleis, sagt Fuhlbohm. So seien Mädchen heute oft genauso schlecht informiert, wie vor 20 Jahren. Sie streben noch immer in die typischen Frauenberufe ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie von dem Gehalt später überhaupt leben können. Dabei fehlten Frauen heute im Fachkräftebereich - und könnten dort genug verdienen, um ohne Partner über die Runden zu kommen.


Doris Fuhlbohm hat diese Themen in den vergangenen 17 Jahren immer wieder thematisiert. Präsent, kämpferisch, engagiert - und niemals leise - hat sie die Gleichstellung zumindest in Schortens vom Abstellgleis geholt, lebendig gemacht und in den Köpfen der Menschen ganz fest verankert. In den vergangenen Wochen war das für sie allerdings manches Mal auch ein Kraftakt.