Wilhelmshaven - Zeitdruck und die Sorge vor schädlichen Folgen – das ist die Gemengelage rund um den Bau des Flüssigerdgas (LNG)-Terminals am Voslapper Groden, mit der sich der Treff des Nabu (Naturschutzbund) Wilhelmshaven intensiv auseinandergesetzt hat. Deutschlands Energieversorgung kurzfristig sicherzustellen ist wichtig, darf aber nicht auf Kosten eines der hochrangigsten Vogelschutzgebiete gehen – darin waren sich die 20 Teilnehmer einig. Welche Gefahren aber tatsächlich vom Einleiten biozidhaltigen und heruntergekühlten Wassers in die Jade ausgehen, ist schwer vorherzusehen.
„Einsatz von Bioziden hätte schwerwiegende Folgen“
„Uns fehlen zuverlässige Informationen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung, wie von Olaf Lies versprochen, hat es bis heute noch nicht gegeben“, ärgerte sich die Vorsitzende des Nabu, Stefanie Eilers. Und die Zeit drängt. Einwendungen gegen das Verfahren können nur noch bis zum 19. Oktober eingereicht werden.
Kann das auf- und ablaufende Wasser der Jade die eingeleiteten Biozide (0,2 mg pro Liter bei rund 530 Millionen Litern pro Tag) schnell genug und ausreichend verdünnen, so dass sie keine Schäden verursachen? Hierüber gingen die Meinungen auseinander. Einem „unbedenklich” auf der einen Seite stand die Sorge gegenüber, dass das Chlor, das den Muschelbesatz in den Rohrleitungen verhindern soll, sich mit dem kühleren Wasser auf dem Meeresboden anreichert und dort Muscheln und andere Filtrierer tötet.
Diese Bedenken haben auch die Muschelfischer in Hooksiel, sagte Florian Carius von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Auch die Absage der Australier an dieses Verfahren stützt die Sorge um schädliche Folgen. „Und Touristen gehen auch nicht dort ins Wasser, wo Biozide eingespült werden“, war ein weiterer Einwand in Richtung derer, denen es vielleicht nicht um die Umwelt geht.
Gibt es Alternativen?
Aber gibt es Alternativen? „Ja, die gibt es“, erklärte Eilers. Anstatt mit Chlor könnte mit Biofilmauflagen in den Rohren gearbeitet werden, die verhindern, dass sich Muscheln und Seepocken festsetzen. Sogenannte „Closedloops”, geschlossene Kreisläufe, könnten zudem die Wassermenge beim Durchlauf reduzieren. Das müsse als Alternative zwingend geprüft werden.
Zum Einsparen knapper Energieressourcen fordern die Naturschützer darüber hinaus eine Diskussion über einen partiellen Lockdown bei energieintensiven Industrien, die nicht lebensnotwendig sind. Denkbar wäre dies zum Beispiel bei der Einwegplastikindustrie, die gemäß Deutscher Umwelthilfe rund sieben Prozent des Gasverbrauchs und acht Prozent des Ölverbrauchs ausmacht.
Projekte rund um Wilhelmshavens Energiedrehscheibe bereiten Sorge
Mit Blick auf die Zukunft der (Hafen-)Wirtschaft und den Ausbau Wilhelmshavens als Energiedrehscheibe wurde der Wunsch laut, sich mit Tom Nietiedt, Präsident des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands Jade, und John H. Niemann, Präsident der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung, zusammen zu setzen. „Sie sind die Treiber der Projekte, die uns Sorgen bereiten und darüber sollten wir sprechen.”
