Wilhelmshaven - Es könnte ein Schildbürgerstreich sein: Da werden mehrere Wartehäuschen an Bushaltestellen ganz plötzlich abgebaut – ohne Wissen der Verkehrsbetriebe oder Stadtverwaltung. Auf Ersatz müssen die Fahrgäste seitdem warten, im schlimmsten Fall im Regen. Das zuständige Unternehmen Ströer vertröstet, verweist auf Gespräche mit der Stadtverwaltung – und spricht zuletzt von Lieferschwierigkeiten.
Probleme mit Statik machen Abriss nötig
Inzwischen steht fest: Die Fahrgäste müssen noch etwas länger auf neue Unterstände und Sitzbänke warten. Dafür aber werden in den nächsten Tagen erst einmal weitere offenbar marode Häuschen verschwinden. Der Grund: Probleme mit der Statik. Das erklärt Julia Muth, Sprecherin der Stadt Wilhelmshaven, auf Anfrage dieser Zeitung.
Noch in diesem Jahr sollen die Haltestellen Peterstraße beim Marinearsenal und Stettiner Straße Richtung stadteinwärts abgebaut werden. Neun weitere folgen voraussichtlich Anfang nächsten Jahres. Im Gegenzug werde die Firma Ströer Anfang 2023 vorerst zehn neue Wartehallen aufstellen, sagt Muth.
Das Unternehmen Ströer vermarktet die Werbeflächen an den Haltestellen, ist aber zugleich für deren Zustand und mögliche Wartungen verantwortlich – ausgenommen die Haltestelle am Bismarckplatz. So regelt es ein Vertrag mit den Verkehrsbetrieben. Für die Planung von Standorten ist indes die Stadt Wilhelmshaven zuständig.
Schon im Sommer wurden die ersten Dächer abgebaut – überraschend
Wie berichtet, hatte das Unternehmen im Sommer damit begonnen, insgesamt 14 Wartehäuschen abzubauen, ohne die Stadt Wilhelmshaven zuvor darüber zu informieren. So war rein zufällig aufgefallen, dass etwa an der Haltestelle Mühlenweg an der Gökerstraße das Häuschen samt der Sitzgelegenheiten verschwunden war: Mitarbeiter der Stadtwerke-Verkehrsbetriebe wollten den Fahrplan austauschen.
Die Stadt Wilhelmshaven ist seitdem in „sehr intensiven Gesprächen“ mit der Firma Ströer, so Muth. „Von der Firma war geplant, sogar noch deutlich mehr Anlagen abzubauen, was wir allerdings in einem gemeinsamen Termin mit Vertretern der Firma, der Stadt und den Stadtwerke-Verkehrsbetrieben erstmal unterbunden haben.“ Man habe sich darauf verständigt, dass gemeinsam eine abgebaute Anlage begutachtet würde, um die von der Firma angeführten statischen Probleme beurteilen zu können. Das erfolgte an der Haltestelle Bakenstraße – Richtung stadteinwärts. Aufgrund dieser Erkenntnisse müssten die jetzt genannten Haltestellen umgehend abgebaut werden, so Muth.
Dienstleistungsvertrag wird für 2024 neu ausgeschrieben
Der Vertrag mit dem Unternehmen Ströer läuft noch bis Ende 2023. Derzeit bereite die Stadtverwaltung die Ausschreibung für die Zeit nach dem 1. Januar 2024 vor, sagte Oberbürgermeister Carsten Feist jüngst in seiner digitalen Bürgersprechstunde.
„Im neuen Vertrag werden wir die Anforderungen berücksichten“, so der OB mit Blick auf den Sanierungsbedarf vieler Haltestellen. Dass Ströer in der Restlaufzeit die an vielen Standorten sanierungsbedürftigen Bushäuschen erneuert, dürfe zumindest schwierig werden, sagte Feist.
Die Busse der Verkehrsbetriebe bedienen insgesamt 230 Bushaltestellen, davon verfügten bislang 131 über Fahrgastunterstände.
