Wilhelmshaven - Die Kirche unterliegt einem Wandel, dass weiß auch Natascha Faull, die sich auf die neu geschaffene Pfarrstelle Wilhelmshaven 1 bewirbt. Die Pfarrstelle die aus den ehemaligen Gemeindepfarrstellen Altengroden, Sengwarden und einem Teil von Fedderwardergroden gebildet worden ist, ist Teil des Wandels. Denn es gibt immer weniger Menschen, die eine Pfarrstelle besetzen können.

„Der Glaube hat sich verändert, weil auch die Gesellschaft einem Wandel unterliegt“, erklärt Natascha Faull.

Die 53-Jährige wurde in Halle/Westfalen geboren und wuchs zusammen mit ihren zwei Geschwistern in Neustadtgödens und Hohenkirchen auf. Das Studium der Evangelischen Theologie hat Faull in Bielefeld-Bethel begonnen und in Kiel und Göttingen fortgesetzt. In der Kirchengemeinde Sengwarden, im Stadtnorden, sowie im Kinder- und Jugendhospiz absolvierte sie bisher Vertretungsdienste.

Für die neu gegründete Pfarrstelle ist sie aktuell die einzige Bewerberin. Zum Wahlverfahren gehört auch die persönliche Vorstellung in einem Gottesdienst. Die Andachten hat Faull bereits vorletztes Wochenende in Altengroden und Sengwarden gehalten.

„Man bereitet sich auf solche Gottesdienste schon sehr sorgfältig vor, denn es soll auch die eigene Handschrift erkennbar sein.“ Nach den beiden Gottesdiensten stand Faull für Fragen bereit. Dabei gab es weniger Fragen zu ihrer Person. Die Menschen bewege eher die Auswirkungen auf die einzelnen Gemeinden. „Viele haben Angst, dass man nicht mehr erreichbar ist und nicht genügend Zeit für jeden Einzelnen hat.“ Auch die Auswirkungen auf die Seelsorge bereite den Menschen Sorgen..


„Ich kann die Sorgen der Menschen gut verstehen, aber wir bleiben alle erreichbar – auch immer telefonisch.“

Die Corona-Pandemie habe aber enorme Auswirkungen auf den Alltag in einer Gemeinde, erklärt Faull. Die Formate, die angeboten werden können, seien deutlich reduziert worden. So dürfe nicht in an allen Kirchen gesungen werden. All diese Probleme würden natürlich auch die Gemeinden belasten. Allerdings haben einige Veranstaltungen auch wieder großen Zuspruch gefunden. So sei das St. Martins-Laufen im letzten Jahr in Sengwarden überdurchschnittlich gut besucht gewesen und habe die wichtige Bedeutung für die Gemeinde gezeigt. „Für das Krippenspiel zu Weihnachten hatten wir letztes Jahr sogar eine Warteliste.“

Die Entscheidung, ob Natascha Faull die neue Stelle antreten kann, treffen die sechs Gemeindekirchenräte des Stadtnordens in einer geheimen Wahl am 2. Februar. Dann kommen die Räte unter der Leitung des Kreispfarrers zusammen. Die Entscheidung wird dann am darauffolgenden Sonntag im Gottesdienst verkündet.