Wilhelmshaven - Können Selbsthilfegruppen ihre Arbeit, die sie am 15. März von jetzt auf gleich einstellen mussten, wieder aufnehmen? Eine Antwort auf diese Frage hatte sich Anke Wellnitz, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven, von der jüngsten Verordnung der niedersächsischen Landesregierung, die seit dem 8. Juni in Kraft ist, erwartet. Doch ihre Erwartung wurde enttäuscht.
Zwar tauche „Selbsthilfe“ in der jüngsten Corona-Verordnung auf, doch die Formulierung sei unklar. „Ob Selbsthilfegruppen jetzt wieder zusammenkommen dürfen, geht leider nicht daraus hervor“, sagt Anke Wellnitz. Man habe sich umgehend mit Hannover in Verbindung gesetzt, doch auch dort keine finale Antwort bekommen. Also habe man sicherheitshalber beschlossen, die direkte Gruppenarbeit weiter ruhen zu lassen – bis zur nächsten Verordnung, die in zwei Wochen kommen soll.
Sich im öffentlichen Raum zu treffen, funktioniert nicht
„Wir benötigen eine klare Grundlage“, betont Wellnitz. Das sei für die Gruppen selbst, aber auch für die Institutionen, die Räume zur Verfügung stellen, unerlässlich. „Jetzt loszulegen, wäre ein Wagnis. Und wir möchten niemanden in Bedrängnis bringen.“
Gut 150 Selbsthilfegruppen mit zusammen über 4500 Personen sind aktuell unter dem Dach der Kontaktstelle, die von einem gemeinnützigen Verein getragen wird, versammelt – von A wie ADHS bis Z wie Zwänge. Zentraler Ansatz der Gruppenarbeit ist der regelmäßige, vor allem persönliche Austausch. Genau der aber ist durch Corona nicht möglich. Das hat zum Teil fatale Folgen. So erhöhe sich etwa in Suchtgruppen die Gefahr von Rückfällen, weiß eine Gruppenleiterin. Auch sexueller Missbrauch oder häusliche Gewalt könnten in den jeweiligen Gruppen nicht thematisiert werden. Hier fehle den Opfern eine ganz wichtige – weil niedrigschwellige und vertrauliche – Anlaufstelle. Sich im öffentlichen Raum mit Abstand zu treffen, funktioniere nicht. Es brauche den geschlossenen Raum.
Klare Forderungen an die Politik
Weitere Probleme der Gruppen ließen sich aufzählen, doch es gebe auch Aspekte, die trotz Corona gut funktionierten, sagt Anke Wellnitz, zum Beispiel die Sachberatung, telefonisch oder digital. Aber das sei nur ein kleiner Teil der Arbeit der Selbsthilfegruppen bzw. der Kontaktstelle. Über allem stehe der direkte und persönliche Austausch in den Gruppen. Das, so rasch es geht, wieder möglich zu machen, bleibe klare Forderung an die Politik – ganz nach dem Motto der Selbsthilfegruppen: Wir bleiben zusammen und geben nicht auf!
Mehr Informationen unter www.selbsthilfekontaktstelle-whv.de
