Wilhelmshaven - Wirklich neu ist das 1991 gegründete „Neue Sinfonieorchester Wilhelmshaven“ nicht. Seit geraumer Zeit aber ist es stumm. „Alle Konzerte mussten coronabedingt angesagt werden. Nach den Sommerferien aber hatte sich einiges gelockert, so dass zumindest Proben wieder eingeschränkt wieder stattfinden können“, sagt Dirigent Marcus Prieser. Aus der Not habe man eine Tugend gemacht und ein besonderes Konzertformat entwickelt.

„Vor drei Jahren haben wir einmal ein Konzert speziell für Kinder gespielt“, blickt Prieser zurück. „Daran anknüpfend kamen wir auf die Idee, einmal etwas mit Kindern zu machen. Und weil wir wegen der Pandemie ohnehin alles auf Null fahren mussten und das Orchester auch jetzt nur in deutlich kleinerer Besetzung spielen darf, haben wir uns gesagt, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist.“ Der Plan: Kinder spielen als Solisten und werden vom Sinfonieorchester begleitet. Normalerweise folgen rund 40 Instrumentalisten den Weisungen des Dirigenten. Aktuell sind es 18, der Platzbedarf ist angesichts des Mindestabstandes zwischen den Musikern aber kaum verändert. Aber eine kleinere Besetzung schränke die programmatischen Möglichkeiten ein, erklärt Prieser. Die Wahl fiel auf Streichkonzerte.

Weil das Sinfonieorchester selbst Teil der Musikschule ist, suchten die Verantwortlichen auch dort nach jungen Solisten. Zudem sei alles sehr kurzfristig und spontan in die Wege geleitet worden, so dass es organisatorisch anders kaum möglich gewesen wäre, sagt der Dirigent. Um mit einem Orchester zu spielen, müssten die Kinder schon besonders begabt sein. Und die Dozenten der Musikschule können die Qualitäten ihrer Schützlinge sehr gut beurteilen. „Insofern passte das alles zusammen.“ Beim Vorspielen hätten alle Kinder überzeugen können, betont Prieser. „Ursprünglich wollten wir einen Nachwuchsmusiker auswählen, aber wir haben dann zwei genommen.“ Die neunjährige Pauline glänzte mit einem Cellokonzert von Vivaldi, der drei Jahre ältere Luis mit einem Violinkonzert von Haydn.

Für Pauline, die seit gut vier Jahren von ihrem Vater Yevgeny Sapozhnikov an der Musikschule und natürlich auch zu Hause unterrichtet wird, war das Vorspielen keine ganz neue Erfahrung. „Ich habe mit dem Stück schon an einem Wettbewerb teilgenommen“, erzählt sie. „Und gewonnen“, fügt sie bescheiden an. Doch als Solistin von einem Orchester begleitet zu werden, ist auch für Pauline neu. „Ich freue mich darauf, bin aber ein bisschen aufgeregt.“

Luis hat sogar erst vor drei Jahren mit dem Geigenunterricht begonnen. „Es ist wirklich total ungewöhnlich, wie weit er schon ist“, lobt Prieser. Angefangen hat der Zwölfjährige an der Musikschule Jever, ist inzwischen aber nach Wilhelmshaven gewechselt. „Ich habe noch nie an einem Wettbewerb teilgenommen“, sagt Luis. Sein Erfahrungsschatz, vor Publikum zu spielen, beschränke sich auf ein Konzert mit anderen Schüler. In der Vorschau auf den Auftritt mit dem Sinfonieorchesters geht es ihm wie Pauline. „Ich bin schon aufgeregt, freue mich aber schon sehr.“ Einig sind sich die beiden auch, was die Vorbereitung betrifft: Jeden Tag wird geübt. Das gelte allerdings immer, ob ein Konzert bevorstehe oder nicht. Ohne eine solche Disziplin sei es schlicht nicht möglich, auf so einem Niveau zu spielen, ergänzt Prieser.


Das Konzert findet, sofern es keine neuerlichen Beschränkungen geben sollte. am 22. November um 16 Uhr in der Aula des Neuen Gymnasiums am Mühlenweg statt. Es soll rund eine Stunde dauern, zehn bis 15 Minuten davon werden Pauline und Luis im Mittelpunkt stehen. Karten gibt es über die Musikschule und unter Tel. 164028. Das Platzangebot ist begrenzt.

Lutz Rector
Lutz Rector Stellv. Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung