WILHELMSHAVEN - Unendlicher Raum, freundlich leuchtende Sterne, Sphärenklänge und vor sich hintreibende lebendige Satelliten – ein ganzes Universum beherrscht die Studiobühne im Theater im Oceanis (TheOs): Am Sonntag präsentierte die Junge Landesbühne in einer wundervollen deutschen Erstaufführung 'Satelliten am Nachthimmel' von Kristofer Blindheim Grønskag.
Die Inszenierung von Regisseurin Ruth Schultz (Dramaturgie: Martin Meißner) zählt zweifellos zu den schönsten und berührendsten im breiten Spektrum der Landesbühne. Ihr Zauber liegt in der kongenialen Mischung aus exzellenter präziser und hoch einfühlsamer Regiearbeit, einem innigst mit der Handlung verbundenen Darstellerquartett, den musikalischen Finessen Kai Niggemanns und der fantasievollen Ausstattung der Bühnen- und Kostümbildnerin Uta Materne und ist der gegenseitigen Inspiration aller Beteiligten zu verdanken.
Klangkulisse und Pointenspiel
Das Gefühl einer regelrechten inszenatorischen Partitur, das bei den Beteiligten während der Proben aufkam, konnten die Premierenbesucher ebenfalls spüren. Umwerfende Einfälle, eine fantastisch atmosphäreerzeugende Klangkulisse und hinreißendes Pointenspiel zeugten bereits von der hervorragenden und höchst kreativen Kooperation der Mitwirkenden. Doch mehr noch beeindruckten Rollenverständnis und Umsetzung: Lysann Schläfke spielte die zehnjährige Joni, der die Studiobühne ihre Verwandlung in ein Universum zu verdanken hat. Dieses Universum ist Jonis Welt – und es ist, wie sie glaubhaft versichert, in ihrem Bauch. Zugleich lebt sie mitten in ihm drin. Lysann Schläfke macht es den Zuschauern mit ihrem authentischen und sanften, ergreifenden Spiel leicht, sofort Zuneigung zu der vielschichtig angelegten Figur zu fassen und sich mental in ihrem Kosmos zu bewegen. Es erscheint logisch, dass Joni mit dem Fußboden und der Wand sprechen kann und sogar mit Tellern. Doch die Menschen, die sie umgeben, verstehen sie nicht. Bis auf ihren kleinen Bruder, der sich ebenso in Jonis wie in der Welt seiner Eltern bewegen kann. Ohne jegliche künstliche Kinderei und Albernheit spielt Felix Frenken die Rolle des kleinen Bruders derart überzeugend und herzerwärmend, dass man in dem körperlich größten Darsteller bereits binnen weniger Sekunden beim ersten Auftritt nur noch den kleinen aufgeweckten Jungen wahrnimmt, der seine Schwester über alles liebt. Die schauspielerisch virtuos gemeisterte berührende Darstellung des Geschwisterpaars weckt sofort die Zuneigung der jüngeren Besucher, während bei manchem Erwachsenen durchaus Gänsehaut aufkommt angesichts der schauspielerischen Leistungen Schläfkes und Frenkens.
Gestisch und im Ausdruck fein differenzierend, treten auch Brit Bartuschka als Mutter und Simon Ahlborn als Vater auf und prägen ihre Rolle mit feinen, gut vor allem auch für das junge Publikum nachzuvollziehenden Nuancen. Während Joni, tatkräftig unterstützt von ihrem Bruder, um das gegenseitige Verstehen mit ihren Eltern ringt, erscheinen diese wiederum gefangen in ihrem Kosmos der realen Welt. Viele Situationen sind urkomisch, und es kann und darf auch viel gelacht werden bei dieser Inszenierung, denn die Tragik Jonis, nicht verstanden zu werden, bleibt dennoch auf einfühlsame Weise präsent.
Wunderbare Sprachbilder
Und als wäre das alles nicht schon genug, geht es in diesem Stück mit seinen kosmischen, fluoreszierenden Kostümen, der über Taschensynthesizer erzeugten Musik und den einnehmenden Akteuren letztlich um die Liebe und dies auch noch in einer sehr poetischen Sprache mit so wunderbaren Sprachbildern, dass beim Zuschauen und -hören immer wieder auch kleine Kopfkinobilder aufblitzen. Mit 'Satelliten am Nachthimmel' ist der Jungen Landesbühne ein wahrlich universales Meisterstück gelungen.
Weitere öffentliche Termine im TheOs: 3., 17. und 24. Februar, Beginn jeweils 15 Uhr. In Jever im Theater am Dannhalm wird das Stück am 9. Februar aufgeführt, Beginn um 16 Uhr.
Schulen und andere interessierte Institutionen im Spielgebiet können 'Satelliten am Nachthimmel' noch für Aufführungen vor Ort oder im TheOs buchen. Weitere Informationen gibt es bei der Landesbühnen-Disponentin Heike Thies (T 04421 / 940127).
