Wilhelmshaven - Sang- und klanglos sind die Sinfoniekonzerte im Dickicht kommunaler Zuständigkeit verhallt – da tönt nichts mehr. Das erfuhr man unter Punkt Anfragen eher zufällig in der Sitzung des Kulturausschusses des Rates. Ratsfrau Christina Heide war von ehemaligen Abonnenten angeschrieben worden, um sich im Kulturausschuss für die Weiterführung der Konzertreihe zu verwenden. Der Brief ist von 41 Personen unterschrieben worden.
Sicherheitsbedenken bei Veranstaltungsort
Helga Weinstock, Vorsitzende des Kulturausschusses, zeigte sich über diese Nachricht erstaunt. „Ich bin total überrascht davon“, sagte sie. Stadtrat Armin Schönfelder, auch Kulturdezernent in der Verwaltung, bestätigte die Mitteilung. Zur Einstellung sei es auch gekommen, weil der Leitung der Jade-Hochschule, in der die Konzerte in der vergangenen Saison nach der Schließung der Stadthalle stattgefunden hatten, wegen Corona Sicherheitsbedenken geltend gemacht hatte.
Veranstalter der Sinfoniekonzerte war die Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH. Deren Geschäftsführer Michael Diers machte deutlich, dass er schon in der Kulturausschusssitzung im Dezember vergangenen Jahres darauf hingewiesen habe, dass der Vertrag mit dem Musikfest Bremen über die Intendanz und Organisation der Konzerte in diesem Jahr ausläuft und für die Weiterführung ab diesem Herbst kein Geld im Wirtschaftsplan der WTF zur Verfügung gestellt sei. Dies sei von der Gesellschafterversammlung beschlossen bzw. akzeptiert worden.
Vorwürfe gegen die Politik
Zuletzt, so Diers, haben rund 300 Abonnenten die Sinfoniekonzerte gehört. Vor Corona waren es rund 700 in der Stadthalle. Der Etat für die Konzerte belief sich auf rund 350 000 Euro, zwischen 130 000 und 150 000 Euro musste die Stadt zum Ausgleich des Defizits zuschießen. „Das alles wusste die Politik, aber sie hat es nicht problematisiert und diskutiert. Kultur interessiert nicht. Ähnlich liegt die Sache mit dem Livin-Statues-Festival. In diesem Jahr finanziert aus dem ReAct-Programm, auf dessen Mittel wir als WTF direkt zugreifen konnten, ist zu entscheiden, ob es noch einmal stattfinden soll – dann mit städtischem Zuschuss“, so Diers.
Dass zwei Konzerte von der Hochschulleitung kurzfristig wegen Sicherheitsbedenken ausfallen mussten, sei für eine Weiterführung der Konzertreihe nicht förderlich gewesen, beklagt Diers. „Das riss uns ein dickes zusätzliches Loch in die Kasse“, so Diers. Selbstverständlich hätte man als Veranstalter alle Sicherheitsbestimmungen eingehalten.
Enttäuschung bei Musikfest Bremen GmbH
Bei der Musikfest Bremen GmbH ist man enttäuscht über die Absage. Man habe intensiv für die Weiterführung der Konzertreihe gekämpft, sagte die Organisatorin Annabel Brown. „Das ist unglaublich bedauerlich. Wir haben die Konzerte seit 2009 organisiert. Weltbekannte Orchester und Solisten traten in Wilhelmshaven auf.“
Mit dem letzten Konzert betrat man schließlich noch Neuland. „B-Rock“ gastierte mit der Flötistin Dorothee Oberlinger und dem Geiger und Dirigenten Dmitry Sinkovsky. Brown: „Das Publikum war glücklich.“ Ohne zu wissen, dass es den allerletzten Schlussakkord gehört hatte. Den politisch zu orchestrieren, sah sich bislang niemand in der Verantwortung.
