Wilhelmshaven - „Die Innenstadt Wilhelmshavens hat ein Sicherheitsproblem“ – so drastisch drückt es die SPD-Fraktion in einem Schreiben an Oberbürgermeister Carsten Feist (parteilos) aus, spricht von „streunenden Jugendbanden, Überfällen und Schlägereien“ und fordert schnellstmöglich schärfere Maßnahmen. Die Sozialdemokraten sind damit nicht alleine, auch Grünen-Ratsherr Bruder Franziskus und die Gruppe der Bunten haben sich in der letzten Woche zu dem Problem zu Wort gemeldet. Und auch Feist selbst hat diesen Eindruck: „Ja, ich sehe es genauso“, sagt der Oberbürgermeister gegenüber dieser Zeitung. „Ich würde zwar nicht von Sicherheitsproblemen sprechen, aber es entstehen zunehmend Angsträume in der Stadt.“ Dieses Gefühl haben viele Menschen, wie der OB aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern weiß. „Das ist zunächst eine subjektive Wahrnehmung, aber ich nehme das sehr ernst.“

Feist führe deshalb derzeit Gespräche mit der Polizei. Ziel ist es, Maßnahmen zu entwickeln, die das Sicherheitsgefühl der Menschen wieder verbessern. „Es muss selbstverständlich sein, dass sich jeder Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe und Religion überall in der Stadt ohne Angst bewegen kann“, macht Feist das Ziel klar. Zusätzlich sei für Anfang des Jahres ein Arbeitsgespräch zwischen verschiedenen städtischen Fachbereichen und den Sicherheitsbehörden geplant, um präventive Maßnahmen zu besprechen. Für einen solchen „Runden Tisch“ hat sich in den letzten Tagen auch der Co-Fraktionsvorsitzende der Wilhelmshavener Grünen, Bruder Franziskus, stark gemacht. Er berichtet von Sicherheitsproblemen rund um die Nordseepassage und den ZOB und auch ihn erreichen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern, die verängstigt sind. „Die Situation ist so nicht weiter tragbar und eskaliert weiter“, fasst es der Ratsherr zusammen. „Wir brauchen ein Bündel von Maßnahmen, um die Situation zu entschärfen.“ Das seien zum einen sichtbar mehr Polizeipräsenz, aber auch soziale Maßnahmen um jungen Menschen Perspektiven und Aufenthaltsmöglichkeiten zu bieten. Das Jugendzentrum Point müsse etwa personell verstärkt werden und mehr Angebote bereithalten.

Auch die „Die Bunten“ beklagen, dass die Nordseepassage und der ZOB für viele „kein Areal der Sicherheit“ seien. Die Situation müsse aber in einem größeren Kontext gesehen werden. Eine erhöhte Präsenz von Ordnungskräften könne ein Baustein sein, heißt es in einer Mitteilung. Letztendlich müssten aber auch präventive Maßnahmen ergriffen werden, betont Bunten-Gruppensprecher Andreas Tönjes.

Suntke Pendzich
Suntke Pendzich Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung