Wilhelmshaven/Port Louis - Vom Hafen Port Louis in Mauritius startete das deutsche Forschungsschiff „Sonne“vor vier Tagen zu einer Expedition unter Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in den Indischen Ozean.
Diese Expedition mit der Bezeichnung SO271 („INDEX2019“) geht in ein deutsches Lizenzgebiet für polymetallische Sulfide. Die Position im südwestlichen Indischen Ozean am heutigen 24. Dezember dürfte ungefähr 23° 30’S 067° 30’E sein, teilt die Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe an der Universität Hamburg mit.
Neben 31 Besatzungsmitgliedern werden über die Feiertage 14 Wissenschaftler an Bord sein. Auch die Wilhelmshavener Wissenschaftlerin Dr. Terue Kihara von der INES Integrated Environmental Solutions UG, und zwei Doktoranden am Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, der einen der beiden Abteilungen von Senckenberg am Meer am Wilhelmshavener Südstrand, sind an der Expedition beteiligt, namlich Katharina Kniesz und Klaas Hauke Gerdes.
Einen echten Tannenbaum gibt es auf der „Sonne“ heute nicht, da in den Tropen nur sehr schwer zu bekommen. Dafür gibt es aber einen künstlichen Weihnachtsbaum.
An Heiligabend gibt es klassisch Kartoffelsalat und Würstchen, nachmittags auch gemütliches gemeinsames Kaffeetrinken, möglicherweise mit einer kleinen Bescherung und einem Glühwein (in den Tropen nicht so prickelnd) am Abend. Am ersten Feiertag gibt es dann klassisch die Weihnachtsgans (oder Ente) zum Mittag.
Auch an Weihnachten und Silvester wird an Bord der „Sonne“ aufgrund des vollen Forschungsrogramms durchgearbeitet. Dementsprechend wird es keine großen Feierlichkeiten geben können.
Die Erfahrungen mit der vor fünf Jahren in Dienst gestellten „Sonne“ sind nach Angaben der Leitstelle durchweg positiv. Das Schiff habe ein ausgezeichnetes Seeverhalten und sei sehr komfortabel eingerichtet. Man könne an Bord sehr gut leben und arbeiten. Dies werde der Leitstelle laufend durch die positiven Abschlussprotokolle der wissenschaftlichen Nutzergruppen bestätigt. Der aktuelle technische Zustand sei ebenfalls als sehr gut zu bezeichnen. Während der Werftliegezeit im Jahr 2017 wurden einige Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt welche die Leistungsfähigkeit des Schiffes weiter erhöht haben.
So wurde zum Beispiel eine leistungsstarke Satellitenantenne (C-Band), die unter anderem die Live-Übertragung von Videobildern an Land ermöglicht, nachgerüstet und ein OFOS (Ocean Floor Observation System), das hochauflösende Bilder vom Meeresboden in bis zu 6000 Meter Wassertiefe über einen Lichtwellenleiter an Deck liefern kann, an Bord gegeben.
Das Hauptarbeitsgebiet der „Sonne“ liegt im Indischen und Pazifischen Ozean. Ein Anlaufen des Heimathafens Wilhelmshaven ist, wie die Hamburger Leitstelle mitteilt, aufgrund der erheblichen Transitzeiten in den nächsten Jahren nicht geplant. Auch Werftliegezeiten werden in unmittelbarer Nähe des Hauptarbeitsgebietes geplant und durchgeführt. Die letzte Werftliegezeit wurde vom 5. bis 30. Juli 2019 in Singapur absolviert.
Neben zahlreichen Konservierungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie der Generalüberholung von zwei Hauptmaschinen stand nach einer rund fünfjährigen Einsatzzeit auch die erste Klasseerneuerung auf dem Programm.
Die zurzeit durchgeführte Expedition setzt vorhergehende fort. Die Forschungen in dem Seegebiet laufen seit den 80er Jahren. Dabei geht es darum festzustellen, ob es auf dem Meeresboden abbaufähige Mengen an Rohstoffen gibt. Auf dieser Fahrt werden elektromagnetische Messungen vorgenommen.
Neben den Geologen arbeiten jedoch auch andere Naturwissenschaftler mit, um Wasser und Lebewesen in dem Gebiet zu untersuchen und festzustellen, welche Auswirkungen die Rohstoffförderung auf die Lebensumwelt auf dem Meeresboden haben wird. Dies ist beispielsweise ein Schwerpunkt des Wilhelmshavener DZMB.
