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Viel beachtete Premiere im TheOs Wilhelmshaven „Corpus Delicti“ trifft den Nerv der Zeit

Henning Karasch
Stefan Faupel und Hannah Sieh verkörpern den Anwalt Heinrich Kramer und die Systemkritikerin Mia Holl in dem Theaterstück „Corpus Delicti“.

Stefan Faupel und Hannah Sieh verkörpern den Anwalt Heinrich Kramer und die Systemkritikerin Mia Holl in dem Theaterstück „Corpus Delicti“.

Axel Biewer

Wilhelmshaven - „Corpus Delicti“ von Juli Zeh, einer der bedeutendsten schreibenden Zeitgenossinnen, feierte in der Bearbeitung von Marie Schwesinger im TheOs am Bontekai eine vielbeachtete Premiere. Die Regie hatte Marie-Sophie Dudzic, die Dramaturgie lag bei Kerstin Car. Das Bühnenbild, das einiges aushalten musste, und die Kostüme stammten von Nico Zielke. Dieses Beweisstück, wie Corpus delicti übersetzt werden könnte, war im Übrigen ein DNA-Test. Dessen Bedeutung soll hier nicht allzu breit erörtert werden, denn es könnte die Spannung nehmen. Grandios war jedenfalls das Zusammenspiel der Mia Holl (Hannah Sieh), ihres Bruders Moritz (Wiktor Grduszak) und des „Methode“-Anwalts Heinrich Kramer (Stefan Faupel).

Teil der Ideologie

Zu Beginn dieser Dystopie wurden Sätze verlesen, die aus einem Hochglanzprospekt stammen konnten. Gesundheit galt diesen Menschen als körperliche und geistige Harmonie. Mia war als Biologin Teil dieser Ideologie. Umso dramatischer, als sie den Gesundheitsstaat in Frage stellte, da ihr Bruder durch die schon genannte DNA-Probe eines Mordes beschuldigt und so in den Suizid getrieben wurde. Moritz empfand schließlich „das Leben als ein Angebot, das man auch ablehnen kann“. Er war als Erinnerung ständig gegenwärtig, berichtete von einer Welt, in der Fahrräder zum Abstellen ins Gebüsch gedrückt wurden und man aus schmutzigen Gläsern trank. Dagegen tranken die Menschen der zukünftigen Wirklichkeit wohl nur aus sauberen Tassen, wenn auch ausschließlich heißes Wasser, der Gesundheit wegen. Mia schien sich laut Heinrich Kramer einer Gruppe von Staatsfeinden, der Vereinigung „Recht auf Krankheit“, angeschlossen zu haben, für die er nur Hohn übrig hatte.

Klinisch reine Gesellschaft

„Sie würden einen Krebskranken, dem sie täglich beim Sterben zusehen, als frei bezeichnen“, spottete er. Erst im Laufe des Stückes wurde deutlich, worin die Angst der Herrschenden lag, wenn jemand den Gesundheitsplan verließ. Denn in dieser klinisch reinen Gesellschaft hatte niemand mehr ein funktionierendes Immunsystem, gab es doch keine Berührung mit Krankheitserregern mehr. Als Mia dem Staat, der glaube zu wissen, was gut für sie sei, ihr Vertrauen zu entziehen beabsichtigte, gab es Szenenapplaus. Bei der Ankündigung der Landesbühne vor Beginn, dass Masken getragen werden müssten, hatte es Buhrufe gegeben. Also schien „Corpus Delicti“ einen Nerv getroffen zu haben. Nicht umsonst ist es Abiturstoff geworden, aber auch für Nicht-Gymnasiasten durchaus sehenswert.

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