Wilhelmshaven - Elternzeit, Betreuungsgeld, Neuregelungen beim Sorgerecht - und im Jahr 2015 soll das Elterngeld Plus kommen: Das Kabinett bringt Gesetzesvorlagen auf den Weg, ändert immer wieder Paragraphen - und werdende Eltern sind zunehmend mit den vielen Neuerungen überfordert. Diese Erfahrung hat das Team der Wilhelmshavener Beratungsstelle von Pro Familia gemacht.
Die Zahl der Ratsuchenden im Bereich der sozialrechtlichen Beratung hat deutlich zugenommen, sagte Sozialpädagogin Cathrin Schulz. Sie stellte gestern mit der Leiterin der Beratungsstelle, Gabriele Krieghoff, sowie Jana Rabsztyn und Hermann Niehuis-Schwiertz den Jahresbericht vor. Die Not einzelner wird größer, die Beratungen anspruchsvoller und die Dauer der Gespräche länger, so das Fazit. Zuweilen müssten die Mitarbeiter von Pro Familia erst einmal selbst den aktuellen Stand von Gesetzesentwürfen recherchieren, um Klienten informieren zu können.
Die Schwangeren sollen erst einmal schwanger sein, sagte Schulz. Ziel sei es, den werdenden Müttern und Vätern die Last frühzeitig zu nehmen, indem die Fragen rechtzeitig geklärt werden. Insgesamt führte das Team in Wilhelmshaven und der Außenstelle in Varel 1313 Beratungen durch, 33 weniger als im Jahr 2012. Gleichzeitig habe sich aber die Zahl der zeitintensiveren Paarberatungen erhöht. Noch ein Trend: Die Männer und Frauen kommen immer früher zur Beratung, um sich bei der Familienplanung Hilfe zu holen.
Oft ginge es in den Beratungen um finanzielle Hilfen und die wirtschaftliche Situation der werdenden Mütter und Väter. Probleme mit dem Jobcenter, in der Schule und bei der Ausbildung sowie psychische Belastungen nehmen zu. Dabei seien Mehrfachbelastungen deutlich spürbar.
Fragen rund um den Mutterschutz und den Wiedereinstieg in den Beruf nehmen ebenfalls einen großen Teil der Beratungsgespräche ein. Viele werdende Mütter sind in diesen Fragen verunsichert, weiß Jana Rabsztyn. Oft herrsche eine große Unwissenheit über gesetzliche Bestimmungen. Rabsztyn kennt Frauen, die auf ihre Rechte verzichten - aus Angst, trotz Mutterschutz und Elternzeit die Arbeitsstelle zu verlieren.
