WILHELMSHAVEN - Mit einem kommunalpolitischen Eklat geht die Amtszeit des langjährigen Geschäftsführers des Reinhard-Nieter-Krankenhauses, Professor Jörg Brost, an diesem Donnerstag zu Ende.

Zur Verabschiedung im Vortragssaal des Krankenhauses wurden missliebige Aufsichtsratsmitglieder der städtischen Klinik nicht eingeladen. Es handelt sich dabei um die CDU- und FDP-Mitglieder des Aufsichtsrates, die sich in dem städtischen Aufsichtsgremium gegen eine vorzeitige Vertragsauflösung mit Brost zu besonders lukrativen finanziellen Bedingungen ausgesprochen haben.

Wie berichtet, scheidet Brost auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen bereits jetzt aus dem Geschäftsführeramt aus, erhält aber bis 2014 weiterhin 75 Prozent seines Gehalts vom Krankenhaus bezahlt. Um diese ungewöhnliche Regelung durchzusetzen, war das zuständige Beschlussgremium eigens um einen Politiker der kommunalpolitischen Basu-Gruppe aufgestockt worden, weil die SPD-Vertreter zuvor gegen die Stimmen von CDU und FDP keine ausreichende Mehrheit hatten.

Als Folge des Abstimmungsverhaltens erhielten die vom Rat der Stadt gewählten CDU-Aufsichtsratsmitglieder Ursula Glaser und Fritz Langen sowie Susanne Bauermeister von der FDP keine Einladung zu der exklusiven Feierstunde, die nach mehreren Reden und musikalischen Einlagen mit einem gemeinsamen Abendessen beendet werden soll.

Zu den vorgesehenen Rednern der Veranstaltung gehörte neben dem demnächst aus dem Amt scheidenden Oberbürgermeister Eberhard Menzel und der Aufsichtsratsvorsitzenden Ursula Aljets (beide SPD) zunächst auch der Leiter des Krankenhausreferates im niedersächsischen Sozialministerium, Dr. Boris Robbers, der aber kurzfristig sein Erscheinen absagte. Nach Informationen dieser Zeitung war er zuvor über Einzelheiten der ungewöhnlichen Einladungsliste informiert worden.


Nicht informiert zeigte sich am Mittwoch zunächst die Aufsichtsratsvorsitzende Aljets, die auch den Vorsitz in der Gesellschafterversammlung der städtischen Klinik führt.

Auf Befragen erklärte sie, dass sie nicht wisse, wer zu der Veranstaltung eingeladen sei. Das sei schließlich eine Sekretärinnenaufgabe. Auch der geplante Kostenrahmen sei ihr nicht bekannt.

Später ergänzte sie, dass sie inzwischen erfahren habe, dass es sich bei der Feierstunde um eine private Einladung des ausscheidenden Geschäftsführers Brost handele, der sich eine Verabschiedung im Kollegenkreis gewünscht habe und auch die entstehenden Kosten vollständig bezahle.