WILHELMSHAVEN - Eine riesige Explosion erschütterte den Schwimmkran „Jade-Lift“ des Jade-Dienstes am Großen Hafen. Dem 14-jährigen Jacob Ihnen, der sich in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes befand, riss es den rechten Unterschenkel ab. Zum Glück war alles Teil des jährlichen maritimen Ausbildungstages von Freiwilliger Feuerwehr Rüstringen, Technischem Hilfswerk (THW), Deutschem Roten Kreuz (DRK), Rettungshundestaffel, Johannitern und Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG).
Jacob Ihnen, seit viereinhalb Jahren bei der Jugendwehr, war wie seine „Opferkollegen“ vom DRK-Schminkteam aufwendig hergerichtet worden. Die Einsatzkräfte waren mit 20 Fahrzeugen und sechs Booten des THW, die auch die 190 Kilogramm schwere Pumpe vom Bontekai zum Jade Dienst transportierten, im Einsatz. Auf ihren Booten „Arngast“ und „Tonndeich“ transportierten DLRG-Zugführer Olaf Gewohn und seine Leute laufend Verletzte. Insgesamt waren 112 Rettungskräfte und 19 Verletztendarsteller sechs Stunden lang im Einsatz.
Zweimal wurde das Katastrophenszenario der Brandbekämpfung und Personenrettung von Seeseite aus durchgespielt. Beim ersten Durchlauf habe es Abstimmungsprobleme gegeben, einige Gruppen fühlten sich bei der Alarmierung übergangen und klagten über lange Wartezeiten, erklärte Rüstringens Ortsbrandmeister Malte Schröder.
Angenommen wurde ein Szenario, bei dem der Schwimmkran auf See havariert war. Verletzte mussten per Boot zum Rettungsmittelhalteplatz bei der Marine-Segelkameradschaft transportiert und von dort mit Rettungswagen zum Jade-Dienst zurückgebracht werden. Dort hatte das DRK zwei Zelte aufgebaut. Es war in sechs Jahren der erste Ausbildungstag mit angenommenem Seeunfall. An der Taktung der einzelnen Arbeitsschritte gab es Verbesserungsbedarf. Die Mittagspause wurde zur Korrektur genutzt.
Ungewohnt war die Situation für die Rettungshunde. Zwar seien sie routiniert, so Hundeführer Heinz Bohn, und hätten 2012 schon in fünf Einsätzen Menschen gerettet, doch die Enge auf dem Schiff, steile Treppen, Wärme und stickige Dieselluft machten ihnen zu schaffen. Auch für die Feuerwehr war die Lage im Maschinenraum kompliziert, berichtete der stellvertretende Zugführer Tobias Tautenhahn. Scharfe Kanten und Handräder erleichterten die Arbeit nicht gerade.
„Erschreckend schön“ fand Jade-Dienst-Einsatzleiter Stefan de la Torre „die Lust am Engagement und auf neues Wissen“ der Einsatzkräfte. Leider gebe es auch beim Jade-Dienst schwere Arbeitsunfälle, und hier könne man sehen, was an Rettungsplänen verbessert werden müsse. Verhalten bei Maschinenbränden und herabfallenden Lasten werde firmenintern trainiert. Mit dem Bau des JadeWeserPorts und vermehrtem Schiffsverkehr sei es wichtig, Einsatzkräfte im Retten über den Wasserweg zu schulen, erläuterte Rüstringens stellvertretender Ortsbrandmeister Horst Erbe.
Im Hafen werden begaste Container eine zusätzliche Gefahr darstellen. Dazu gebe es bei der Berufsfeuerwehr einen Gefahrgutzug mit Mitgliedern der Freiwilligen Wehren.
